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Was nun? Eine Standortbestimmung

By Nachrichten

„Sehr viele Menschen sind verunsichert. Sehr viele haben Angst.“ Sätze, die ich von Psychotherapeuten und auch Medizinern dieser Tage mehrfach gehört habe.
Dramatische Erkrankungsraten in Europa. Lockdown in New York. Was für eine Welle rollt da auf uns zu?

Manche Experten der Virologie und Epidemiologie (wie etwa der Mainzer Professor für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Professor Dr. Sucharit Bhakdi) meinen, wir kranken zunehmend an drakonischen Maßnahmen der Regierung. Die weltweiten Reaktionen seien überzogen.

Zu einer gegenteiligen Auffassung kommen die Wiener Professoren Mathias Beiglböck, Philipp Grohs, Joachim Hermisson, Magnus Nordborg und Walter Schachermayer. Alle Mathematiker bis auf den Populationsgenetiker und Biologen Nordborg und Hermisson, der Biologe und Mathematiker ist. Sie haben Infektionsraten, Erkrankungsquoten und Sterberaten zu Covid-19 neu berechnet und am 30.3.2020 eine Stellungnahme auf der Website der österreichischen Regierung veröffentlicht. Fazit: Wenn sich die Corona-Epidemie weiter mit exponentieller Geschwindigkeit verbreite, wenn also eine infizierte Person mindestens eine weitere anstecken würde, dann sei ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems in Österreich mit zusätzlich zehntausenden Toten zu erwarten. Ziel müsse sein, die Infektionsrate drastisch zu senken. „Wahrscheinlich benötigt dies deutlich strengere Maßnahmen als derzeit in Kraft sind.“ Ansonsten werde das Gesundheitssystem bereits Mitte April kollabieren. Die Entwicklungen in den USA, allem voran New York, lassen allerdings befürchten, dass sich die Lage mancherorts noch rapider verschlimmern könnte.

Wie gefährlich ist Covid-19, die Krankheit, die durch eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus Sars-CoV-2 ausgelöst werden kann, wirklich?
Belastbare Hinweise liefern epidemiologische Daten vom Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“. Von insgesamt 3.711 Passagieren an Bord, die alle getestet wurden, waren 697 Corona-positiv. 328 von den positiv getesteten hatten keine Symptome. 2.071 Passagiere waren zwischen 0 und 69 Jahren alt. Rund 50 von ihnen wurden positiv getestet, zeigten jedoch keine Symptome. Rund 180 entwickelten Symptome. Niemand aus dieser Gruppe starb an Covid-19. 1.231 Passagiere waren 70 Jahre alt und älter. Von ihnen starben sieben.

Ein Kreuzfahrtschiff ist eine geschlossene Population. Man lebt dort auf engstem Raum. Stewarts, Barkeeper und weitere Mitglieder der Crew sind sogenannte Superspreader. Sofern selbst (unwissentlich) infiziert stecken sie sehr schnell sehr viele andere Menschen an. Trotz der Enge infizierten sich nur knapp 20 Prozent der Passagiere. Diese jedoch in sehr kurzer Zeit. Rund die Hälfte der Infizierten zeigte keine Symptome. Das Durchschnittsalter auf dem Schiff lag bei 58 Jahren. 33 Prozent war über 70. Darunter die sieben Verstorbenen.
Dr. Timothy Russel, Biologe und Mathematiker an der London School of Hygene & Tropical Medicine errechnete daraus eine Todesrate (case fatality ratio) von 0,5 Prozent.
Im Gegensatz dazu geht die WHO von einer case fatality ratio von 3,4 Prozent aus.

Dr. med. Pietro Vernazza, Chefarzt für Infektiologie am Schweizer Kantonsspital St. Gallen, äußert sich ähnlich kritisch wie der bereits genannte Prof. Bhakdi aus Mainz. Vernazza beruft sich auf eine Veröffentlichung im Wissenschaftsmagazin Science. Epidemiologe Ruiyun Li (Universität Peking, Imperial College London) und Kollegen hatten im Zuge einer epidemiologischen Untersuchung zu Corona in China eine Neubewertung der Gefährlichkeit angeregt. Ergebnis:
Rund 85 Prozent (82-90%) aller Sars-CoV-2-Infektionen sind erfolgt, ohne dass jemand die Infektion bemerkt hat.
Etwa 55 Prozent der unbemerkt Infizierten haben weitere Personen angesteckt.

Wie diese Publikation „fast unbemerkt“ im aktuellen Wirbel „an uns vorbei“ gehen konnte, wundert sich Vernazza: „Eigentlich vermuten wir dies schon lange. Anders wäre es gar nicht erklärbar gewesen, dass die Infektionszahlen in China nach einigen Wochen gegen Null gesunken sind. Denn mit einer Immunitätsrate von weniger als 1 Prozent der Bevölkerung kann man das nicht erklären (weniger als 100.000 Personen in Wuhan von rund 10 Mio. Menschen erkrankt). Es würde nicht mal verwundern, wenn weitere Untersuchungen die Rate von stummen Infektionen noch höher bezifferten. Diese neue und nicht überraschende Erkenntnis muss rasch zu einer evidenzbasierten Korrektur unserer Maßnahmen führen.“
Der Schweizer Experte fordert: „Informiert endlich die Bevölkerung und redet Klartext! Diese Infektion ist für junge Menschen mild. Angst ist kein guter Ratgeber. Die meisten Menschen sehen eine schreckliche gefährliche Krankheit vor sich. Ja, es ist wahr. In Italien stirbt etwa eine von zehn diagnostizierten Personen. Doch wie wir jetzt nach dieser Science-Arbeit wissen, dürfte das eher eine von 1.000 angesteckten Personen sein.“

Die Gelehrten (zum Thema Virologie / Epidemiologie) sind uneins in der Frage der Bedrohung durch Corona. Die Wirtschaftsweisen, das dürfte unzweifelhaft sein, sind sich in der Sache umso einiger.

Doch warum schreibe ich in meinem Blog darüber?

  1. Weil abwägende Berichterstattung rar ist dieser Tage.
  2. Weil ich glaube, dass die Unsicherheit bei der Abschätzung der Gefahr durch Covid-19 keine Einladung sein sollte, unvorsichtig zu handeln.
  3. Und drittens, weil es ein Land gibt, welches (zumindest bisher) kaum Probleme mit Neuinfektionen durch Sars-CoV-2 hat (und mögliche Erkenntnisse daraus werden in Deutschland derzeit kaum diskutiert): Japan.

Chinesen machen, trotz gewisser historischer Unverträglichkeiten, in großer Zahl Urlaub in Japan. Im Januar 2020 kamen 925.000 zu Besuch. Im Februar waren es noch rund 89.000. Unter ihnen wahrscheinlich auch nicht wenige Infizierte. Japans Bevölkerung hat mit einem Altersdurchschnitt von 48,4 den weltweit höchsten Anteil an Senioren (also der Risikogruppe. Denn wie man auch an den Zahlen vom Kreuzfahrtschiff ablesen kann, verschont Covid-19 tendenziell die Jugend und trifft die Älteren).

Warum also ist Japan vergleichsweise wenig von der aktuellen Pandemie betroffen?
Klar, Premier Abe ließ Schulen schließen, auch Veranstaltungen absagen, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Doch Restaurants und Geschäfte blieben offen. Eine deutlich sanftere Reaktion als in Europa.
Wieso also sind nicht viel mehr Japaner erkrankt? Was bewahrte das japanische Gesundheitssystem bisher vor dem Kollaps?
Ein Grund ist wohl, dass in Japan bisher wenig auf Corona getestet wurde, in der Hoffnung, damit die Olympiade zu retten (was nicht geklappt hat). Doch ein nicht unwesentlicher Teil der Antwort ist auf dem folgenden Foto (ein Screenshot aus dem Internet ) zu sehen:

Japaner mit Gesichtsmasken, DPA, Screenshot

Menschen, die Masken tragen, um andere Menschen vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Ein alltägliches Bild während der Wintermonate in den Metropolen Japans. Sowie eine Grippewelle droht, gehen sehr viele Menschen nur noch mit einer Maske aus dem Haus. Weil sie andere damit schützen, schützen sie letztendlich sich selbst.

In dem Zusammenhang noch ein Foto. Aufgenommen am 11. März 2020 im Buckingham Palace. Premier Boris Johnson, Handshake mit Verneigung vor der Queen. Demnächst hat sie Geburtstag und wird 94 Jahre alt. Der inzwischen an Covid-19 erkrankte Johnson regiert nun aus der Quarantäne. Der Queen soll es gut gehen. Sie hat schon Schlimmeres überstanden.

Boris Johnson bei der Queen, 11.3.2020, Screenshot von der BBC-News-Seite

Die derzeit verbreitete Ignoranz der Macht zeigt sich meiner Meinung nach in diesem Foto. Eindeutig trifft Covid-19 mehr alte Menschen als junge. Und besonders hart sehr alte.
Trotz widersprüchlicher Nachrichten zur Tragweite der Corona-Epidemie und einem angemessenen Krisenmanagement: Junge Menschen sind eingeladen, alle alten bestmöglich zu schützen.

Daher: Setzt eine Schutzsmaske auf, liebe Leute, bevor Ihr in den Hausflur und auf die Straße tretet! Wenn ihr keine Maske habt, so wickelt Euch einen Schal oder ein Tuch um Nase und Mund. Etwas ist immer noch besser als nichts! (So schräg es klingt: Aus dem Vermummungsverbot von gestern wird das Vermummungsgebot von heute!)

Rennt in öffentlichen Räumen, etwa im Supermarkt oder im Bus oder in der U-Bahn nicht unbedacht in andere Menschen hinein! Weicht anderen Menschen, egal welchen Alters, aus!
Und beachtet die von Gesundheitsämtern geforderten Hygieneregeln! Dies kann auf keinen Fall falsch sein.

Tatsächlich glaube ich, dass diese gesellschaftlich wachsende Achtsamkeit ein neues Miteinander schafft. Zunächst aus der Distanz durch gefordertes Social Distancing. Doch umso reifer sind wir für kommende Zeiten der Annäherung.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!!

Ihr – Otmar Jenner

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Was heißt hier Leben?

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„Lieber Freund und Mitgefangener“, begann heute die Nachricht eines Freundes an mich, „lass uns feiern …“

Was? Seinen Geburtstag. Online, im Chat, wie er erklärt.

Was sich in meinem Leben geändert habe innerhalb der letzten Wochen, bin ich kürzlich gefragt worden.
Alles. Um es knapp zu sagen. Ich bekomme nun Mails, wo ich als Mitgefangener bezeichnet werde.

Dabei hatte ich doch gedacht, ich wäre frei.

Mein Freund, um dies gleich klarzustellen, hat keinerlei Verbrechen begangen, ist nicht rechtskräftig verurteilt und sitzt daher auch keine Strafe in einem staatlichen Gefängnis ab.
Trotzdem taucht wenige Sätze später in seiner Mail auch der Begriff der „Inhaftierung“ auf. Wieder so, als wäre ich ein Teil davon.

Die Azteken-Göttin “Coatlicue” (“Die mit dem Schlangenrock”): Sie verkörpert, so heißt es, die Ambivalenz zwischen Intimität und Autonomie. Das kann man auch gesamtgesellschaftlich sehen.

Unübersehbar, dass dieser Tage gewisse, vormals selbstverständliche Freiheiten, plötzlich beschnitten sind. Angenommen, es gäbe für mich die Notwendigkeit, mir neue Jeans zu kaufen – schwierig dieser Tage. Die einschlägigen Geschäfte sind geschlossen. Klar, irgendeine Hose würde ich im Bedarfsfall schon noch kriegen. Zur Not im Baumarkt. Ziemlich wahrscheinlich allerdings keine, die mir gefällt. Bei meinem Lieblingscafé sind die Türen verrammelt. Nichtmal Kaffee to go. Kreuzberg im künstlichen Koma. Ein ungewohntes Bild.

Da Ansammlungen von mehr als zwei Menschen in Berlin verboten sind, treffe ich Freunde nur noch einzeln. Das intensiviert immerhin die Gespräche. Seminare musste ich absagen. Für einen Besuch in meiner Praxis braucht man nun einen triftigen Grund. Sehr viel geht jetzt übers Telefon.

Kaum etwas läuft noch, wie zuvor. Die Gegenwart wirkt so neu, dass man denken könnte, sie sei eben erst erfunden worden.

Ich habe meinen Freund dann angerufen, um als Mitgefangener über seine und meine Inhaftierung zu sprechen. „War heute lange draußen“, erklärt er und berichtet von einem ausgedehnten Spaziergang. Zwischen 11 und 15 Uhr sei er von Kreuzberg bis in die östlichen Außenbezirke von Berlin gewandert. „Wunderbar. Bin schnell gegangen, weit gekommen. Herrlich in der Sonne. Im Plänterwald bin ich zufällig in ein riesiges Bärlauchfeld hineingelaufen. Alles duftete plötzlich nach Knoblauch. Magisch. Habe auch die Natur in meiner Stadt plötzlich mit ganz neuen Augen gesehen.“
Ich höre Freude in seiner Stimme und bemerke: „Auf Freigang gewissermaßen.“

Ich kenne Menschen, die Social Distancing sehr ernst nehmen. Im Nachbarhaus etwa wohnt ein junges Ehepaar aus Spanien. Hat seit rund drei Wochen die gemeinsame Wohnung nicht mehr verlassen. Brief- und Paketsendungen wie auch Lebensmittellieferungen müssen als Quarantäne-Maßnahme 24 Stunden vor der Wohnungstür ausharren. Mit Nachbarn kommunizieren die Beiden durch die geschlossene Tür rufend. Nur wenn der Hausflur leer ist, bugsieren sie die Lieferungen hinein.
Das eigentliche Gefängnis dieser Tage ist Angst. Bin ich in der Angelegenheit inhaftiert? Würde ich verneinen. Ich halte es für wahrscheinlich, dass ich mich in naher Zukunft mit dem neuartigen Virus anstecken werde. Angst davor habe ich nicht. Mehr Sorge bereitet mir der verordnete Verlust individueller Bewegungsfreiheiten und der Abbau demokratischer Rechte. Wir werden bald wissen, wie berechtigt diese Sorge ist.

So unbequem Social Distancing wirkt. Ich habe kein ernsthaftes Problem damit. Tatsächlich grüßen mich plötzlich Menschen, die ich nur vom Sehen kenne, aus der Ferne. Und während sie grüßen lächeln sie. Früher rannten sie mich beinahe um, stapften grußlos an mir vorbei, ohne mich dabei anzusehen, und gelächelt haben sie auch nicht.
Der (Fast-) Stillstand im Getriebe der Großstadt sorgt für ganz neue, ungewohnte Freiheiten. Klingt wahrscheinlich seltsam, vielleicht auch wenig einfühlsam, weil ja Menschen unter den aktuellen viralen Folgen leiden.
Doch während es in manchen Bereichen derzeit eng wird, etwa in der eigenen Wohnung, wenn einem die Decke langsam auf den Kopf fällt, so öffnen sich gleichzeitig neue Räume. Und sei es Gedankenräume.
Was will ich? Was brauche ich? Was genieße ich? Was liebe ich? Worauf kann ich verzichten? Was macht mir Angst? Was macht mir Mut? Was macht mir Freude? Worin finde ich Erfüllung?
Die Verlangsamung der Welt erzeugt fast automatisch eine Konzentration auf wesentliche Fragen. Es lichtet sich der Nebel der Ablenkung. Antworten werden wie mit Leuchtschrift sichtbar.
Auch ich wanderte heute durch die Stadt. Erkundungen im neuen Raum der Stille. In manchen Gesichtern glaubte ich, Erkenntnisse zu lesen.
Was heißt hier Leben?, dachte ich.

Steht das Glück vorm Berg und fragt: Soll ich zu dir raufkommen?
Antwortet der Berg: Bleibe, wo du bist! Ich komme runter zu dir!

Auch wenn niemand genau sagen kann, was Leben eigentlich ist – ich fühle, wir haben allen Grund, uns davor zu verneigen.

Ihr – Otmar Jenner

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Ein Appell aus dem Gedankenraum

By Nachrichten

In der neuen Zeit der Stille öffnet sich ein Gedankenraum.

Eine Einladung, ihn auch zu betreten. Also tatsächlich nachzudenken.

Über das nachstehende Foto habe ich beispielsweise heute (21.3.2020) nachgedacht.

Bondi-Strand, Sydney, Screenshot von der BBC-News-Seite (21.3.2020)

Eine Aufnahme vom Bondi-Strand in Sydney. Weil auf der Südhalbkugel derzeit noch Sommer ist (ca. 27 Grad), wollen die Menschen natürlich baden gehen. Dürfen sie aber nicht mehr. Corona ist auch in Australien angekommen. Social Distancing ist nun angesagt.
Die gesamte Idiotie der aktuellen Debatte, könnte man meinen, zeigt sich in diesem Bild.
Leute, bleibt zuhause, heißt es, haltet Abstand – keep your distance!

Als ob zuhause rumzuhocken gesünder ist, als am Strand spazieren zu gehen oder im Meer zu baden.

Das ist es nicht. Wie heilsam Meeresluft bei Atemwegserkrankungen ist, weiß fast jedes Kind. Das gilt sehr ähnlich natürlich auch für Waldspaziergänge, Besuche im Park und prinzipiell jeden Gang vor die Tür. Deshalb warnen Mediziner bereits vor den negativen Folgen von Ausgangssperren und häuslichem Locked-In. Die Folgen des Bewegungsmangels werden in überfüllten Orthopädie- und Kardiologie-Praxen zu besichtigen sein.

Aus Sydney, wo der Sommer sich langsam verabschiedet, nach Berlin, wo der Winter gerade endet. Die 10 Grad auf dem Thermometer fühlen sich nach viel mehr an. Die Sonne glitzert silbrig in der Frühlingsluft. Ich setzte eine Schutzmaske auf, bevor ich in den Hausflur trete, nehme sie draußen auf der Straße aber wieder ab, darauf bedacht, ausreichend Abstand zu wahren, falls ich unwissentlich bereits Träger der Infektion sein sollte.
Menschen kommen mir entgegen. Manche bewegen sich in schwungvollen Bögen an mir vorbei, zeigen damit, dass sie das Gebot des Social Distancing verstanden haben. Andere rennen wie auf Schienen geradewegs auf mich zu. Ihretwegen weiche ich mehrmals vom Fußweg auf die Fahrbahn aus. Nicht, weil ich mich vor ihnen fürchte, sondern um auch sie vor einer möglichen Ansteckung durch mich zu schützen.
So wandere ich durch mein Viertel, weiche Leuten aus. Leute weichen mir aus. Manche lächeln mir fein zu. Andere wirken ganz bei sich. Wohl schon angekommen in diesem ganz neuen Gedankenraum, der sich dieser Tage eröffnet hat.
Bis auf Lebensmittelgeschäfte ist in Kreuzberg alles zu. Cafés ebenso wie Mode-Boutiquen. Kaum Möglichkeiten also, sich noch durch Konsum abzulenken. Ein sehr pures wie unmittelbares Gefühl. Was brauche ich? Was brauche ich nicht?
Die Berliner brauchen derzeit so viel Toilettenpapier, dass es ab Mittag immer ausverkauft ist. Einen Moment lang spiele ich mit dem Gedanken, in einen Supermarkt zu gehen. Noch ist es kurz vor 12:00. Könnte Glück haben. Wozu?, denke ich dann. Mein Vorrat reicht sicher noch für eine Woche. Aber was tun, wenn ich am Ende der Woche Pech habe und es dann gar keins mehr gibt?
Mit diesen Überlegungen im Kopf ziehe ich weiter und finde mich plötzlich vor einem Friseurladen wieder. Verblüfft blicke ich durchs Fenster hinein. Ein kleiner Laden. Zwölf Personen werden gleichzeitig frisiert. Die Stühle, auf denen sie sitzen, stehen so eng, dass die um sie herumwuselnden Friseure gerade noch durch die Lücken passen.
Ich überlege, mit dem Handy ein Foto zu machen, verwerfe den Gedanken aber sofort. Möchte mich nicht zum Blockwart machen. Allerdings irritiert mich der Anblick so sehr, dass ich beschließe, diesen Text zu schreiben.

Wäre Corona eine buddhistische Gottheit, so würde man sie gewiss zu den zornigen Göttern zählen. Die zornige Göttin Corona möchte uns offenbar zeigen, dass wir unser Verhalten ändern sollen.

Ach ja? Welches Verhalten eigentlich? Und ändern wie?

Kann sein, dass die weltweite Reaktion auf Corona viele fragwürdige Aspekte hat (wie manche Mediziner sagen). Möglich, dass die im Zusammenhang mit Corona auftretende und medial orchestrierte Angst ein Teil der eigentlichen Krankheit ist.
Allerdings sind im Verlauf des heutigen Tages allein in Italien 800 Menschen an Covid-19 gestorben. Dass die Vorhersagen der Virologen überzogen sind, wie größere Teile der deutschen Bevölkerung immer noch glauben, erscheint damit zunehmend abwegig.
Vergleiche mit der schweren Grippewelle 2017/2018 sind kaum noch haltbar. Das Virus SARS-CoV-2 packt wohl heftiger zu.
Trotz einer immer deutlicheren Faktenlage scheint ein grundlegendes Misstrauen gegenüber offiziellen Zahlen und Verlautbarungen derzeit die Schritte mancher Menschen zu lenken. Doch sind Zweifel an der weltweit gleichgeschaltet wirkenden Sprachregelung zu Corona und deren Folgen eine Einladung, Corona-Parties aufzusuchen? Der anarchistische Gegenentwurf als Corona-Punk: Kommt alle zur großen Infektions-Sause?
Klingt extrem, aber viele Menschen denken: Ist mir doch egal, was gerade passiert. Solange ich es nicht sehe, nicht spüre, nicht darunter leide, ist es mir einigermaßen gleichgültig. Und ja, ich hätte das Alles auch gern hinter mir. Allein schon, weil mein Geschäft sonst den Bach runtergeht. Deshalb: Wo geht’s zur großen Ansteckungs-Feier? Dann ist diese Sache hier für mich umso schneller vorbei.

Ähnliche Gedanken hatten Menschen auch zu Zeiten der großen Pestepidemien.

Ein grundsätzlich verständlicher Eskapismus. Wir neigen nunmal zu Ungeduld. Unangenehme Angelegenheiten will man möglichst schnell hinter sich bringen. Und: Was auch immer Corona medizinisch bedeutet – allein der Wirbel darum mit seinen ökonomischen Folgen sorgt für einen Countdown des Schreckens. Als würde dieser Tage eine ganze Gesellschaft zum k.o. hin ausgezählt. Kein Wunder, wenn sich in so einem Moment auch Widerstand regt. Wer kennt nicht den paradoxen Impuls, exakt genau das machen zu wollen, was gerade nicht angebracht, nicht hilfreich, nicht gesund ist?

Doch sind Ungeduld und paradoxe Impulse hilfreich im Kampf gegen Corona?

Ich denke, nicht. Es könnte nämlich sein, dass sämtliche Vorhersagen, die SARS-CoV-2 betreffen, noch untertrieben sind. Weil derzeit niemand das genaue Ausmaß möglicher Verheerungen durch SARS-CoV-2 exakt prognostizieren kann, weil eine Pandemie im schlimmsten Fall Millionen von Toten nach sich ziehen kann – weil diese Möglichkeit nicht auszuschließen ist, so meine auch ich, ist jetzt verantwortliches Handeln jedes Einzelnen gefordert. Bewege Dich so achtsam und vorsichtig wie Du nur kannst, um andere (und damit die Allgemeinheit) vor einer möglichen Ansteckung durch Dich zu schützen – so könnte der kategorische Corona-Imperativ (frei nach Kant) lauten.

Corona? Ist doch nur ein Hype, von doofen Politkern in die Welt gesetzt, um uns die Laune zu verderben, dachten offenbar Menschen in Australien. Zum Beweis ein zweites Foto, aufgenommen am Vortag (also am 20.3.2020). Wieder der Bondi-Strand, eine andere Perspektive:

Bondi-Strand, Sydney, Screenshot von der BBC-News-Seite (20.3.2020)

Zum Zeitpunkt der Aufnahme gab es in Australien bereits über 600 Corona-Infizierte und ein Verbot für Versammlungen im Freien mit mehr als 500 Menschen. Man könnte jetzt anfangen, die Menschen auf dem Foto zu zählen. Doch um die Anzahl geht es mir dabei nicht. Es geht vielmehr um den persönlichen Raum, den jeder Einzelne auf dem Foto einnimmt.

So schön die Lässigkeit auf dem Foto ist. Sie ist unter den gegenwärtigen Bedingungen falsch. Wer das nicht begreift, wird mit Ausgangssperren, abgesperrten Stränden und Wäldern, die nicht mehr betreten werden dürfen, bestraft. Letzteres ist auch falsch. Aber leider das kleinere Übel. Damit uns dies erspart bleibt, hier nun ein Aufruf: Lasst uns unserer Regierung durch verantwortungsvolles Handeln zeigen, dass Ausgangssperren nicht notwendig sind!

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!!

Ihr – Otmar Jenner

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Die Kraft der Stille

By Nachrichten

Nur wenige Menschen draußen. Kaum Autos auf der Straße Ungewohnte Stille. Wenn es nicht zynisch klänge: Fast wie Heiligabend in den Stunden vor der Bescherung – so, wie es früher einmal war. Wer sich jetzt noch in der Stadt bewegt, geht zielstrebig, aber ohne erkennbare Hast, doch konzentriert. Blicke gesenkt, wie um auch Augenkontakt zu meiden. Ganz bei sich, in einem Zustand der Verinnerlichung angekommen – könnte man meinen.

Wann ist Bescherung?

Ab 1630 verfielen die Niederländer einem kollektiven Tulpenwahn. Die Zwiebeln wurden zum Liebhaberobjekt. Die Preise stiegen. Angefeuert durch kommerziellen Handel explodierten sie. Und brachen 1637 vollständig ein. Händler rieben sich verwundert die Augen und fragten sich: Worauf hatten wir da gesetzt? Genau: eine Hoffnung, die sich als unbegründet herausgestellt hat. Das Tulpenfieber, die erste geplatzte Spekulationsblase der Weltgeschichte.
Seither blähten sich und platzten weitere fiebrige Blasen. Der Zusammenbruch der Lehmann-Brothers war die Folge einer Blähung, ebenso die aufgebauschte Schweinegrippe- oder SARS-Epidemie.
Wir leben in einer Welt der Blasen. Gerade bläht sich wieder etwas auf, tatsächlich weltweit, und nimmt auf eine atemberaubende Weise Fahrt auf. Folgerichtig in der Twitter-Gesellschaft. Alle zwitschern was, jeder will gehört werden. Das Ergebnis ist ein medialer Tsunami. Nun droht Ausgangssperre.

Ist das die Bescherung?

In Zeiten der Not rücken die Menschen zusammen, heißt es. Das war gestern. In der aktuellen Not sollen die Menschen auseinander rücken. Und das wirkt nicht wie ein heiß ersehntes Geschenk.
„Haltet Abstand!“, mahnen die Virologen und dozieren über die Mathematik der Ansteckung: eine exponentielle Zunahme der Infektion. Nicht aufzuhalten, zu mildern nur durch Verlangsamung, um die Gesundheitssysteme nicht zu überfordern. Eine Kampf auch gegen Kurven und negative Erwartungen.

Keine Ahnung, wie gefährlich das Virus SARS-CoV-2 tatsächlich ist. Darüber streiten sich auch die Mediziner. Unzweifelhaft ist: Sehr viele Menschen fühlen sich in Not. Und dieses Gefühl der Not ist eine Realität. Selbst wenn Angst unangebracht ist – solange sie da ist, ist sie real.

Angenommen, die Ausführungen kritischer Ärzte sind richtig: 10 bis 15 Prozent aller grippalen Infekte sind auf Corona-Viren zurückzuführen und manche Influenza-Wellen der vergangenen Jahre waren viel tödlicher als Covid-19.
Bei der Grippewelle zum Jahreswechsel 2017/2018 starben in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts immerhin 25.100 Menschen. Wenn ich mich richtig erinnere, sind damals allerdings nicht alle Grippalen in die Notaufnahmen gestürmt. So hart das klingt: 2017/2018 wurde also weit weniger Aufhebens um die Möglichkeit des Ablebens durch Grippe gemacht. Die Menschen starben selbstverständlicher, damit auch friedlicher und natürlicher.
Was jetzt zu beobachten ist: Ein technokratisches Auflehnen gegen den Tod. Könnte sein, dass die daran Beteiligten gerade lernen, wie sinnlos und auf Dauer schädlich dies tatsächlich ist. Die Welt im Lockdown. Eine Vollsperrung des täglichen Lebens. An den Folgen wird die Weltwirtschaft jedenfalls noch lange kauen.
Ist das wirklich angemessen?
Angenommen, die kritischen Ärzte habe recht, was wäre die Konsequenz?

Erstens: Alle, die orakelt haben, Corona werde eine der schrecklichsten Epidemien aller Zeiten sein, also eine weltumspannende Pandemie – diese Leute, allen voran die Virologen, können jetzt ja nicht sagen: „Tut uns wirklich leid, wir haben zwar allein durch die Ankündigung dieses Schreckensszenarios Billionen, womöglich Billiarden, an US-Dollars und Euros versenkt, aber, sorry!, ein Irrtum.“
Ein weiterer Nachteil unserer gut vernetzten Zwitschergesellschaft: Wenn ein Irrtum eine gewisse Größe erreicht hat, muss man unbedingt daran festhalten, weil man mit der Wahrheit sonst untergeht. Doch ist die ganze Aufregung ein Irrtum? Geschlossene Grenzen, Quarantäne und sozialer Stillstand – für Nichts?
Das mögen iranische Politiker zunächst wohl auch gedacht haben: Corona? Ein Hype des Westens, die Welle lassen wir besser durchrauschen, verebbt schon von ganz allein. Wenn ich richtig informiert bin, hat sich dies als Fehleinschätzung erwiesen.

Was mich zu Punkt Zwei führt: Dass Zweifel an der angemessenen Einschätzung der Krisen-Handhabung keine Einladung zu verantwortungslosem persönlichem Verhalten sind. Zum Schutz anderer müssen wir jetzt Abstand halten und knappe Ressourcen nicht vorsätzlich weiter verknappen. Der kategorischer Corona-Imperativ.

Das ist es, denke ich, was jeder tun kann. Alles Weitere liegt in einer Art Nebel. Börsen und Börsenprodukte sind inzwischen so kompliziert, dass selbst Insider sie nicht mehr vollständig zu verstehen vermögen. Die Corona-Welle und ihre Begleiterscheinungen sind wahrscheinlich auch so komplex, dass sogar Experten die virale Mechanik im Sinne sozialer Ansteckung und Folgen nicht mehr ermessen können. Daher machen sie irgendwas, um als aktiver Herr der Lage zu erscheinen. Doch dieses Bild ist lediglich vorgegaukelt. Könnte sein, dass sich der Nachhall dieser Erkenntnis als nicht ganz so schöne Bescherung erweisen.
Die Welt, so scheint es, hat eine wachsende Sehnsucht nach Veränderung. Klimawandel, entgleisender Kapitalismus, enthemmter Konsum – wer schimpfte nicht darauf, redete vollmundig über großartige Lösungen und praktizierte doch Ignoranz mittels individueller kleiner Fluchten.
Am Rande der coronaren Erregung tun sich in der Sache vollkommen neue Möglichkeiten auf. Enthemmter Konsum? Derzeit ausgebremst. Kapitalismus? Derzeit auf Crashkurs. Klimawandel? Weil Corona bei uns gelandet ist, bleiben Flugzeuge weltweit am Boden. Wenn das keine CO₂-reduzierende Wirkung hat …
Ich denke, die Sehnsucht nach Veränderung wächst dieser Tage. Könnte sein, dass diese Sehnsucht bald größer ist als die Hoffnung, dass alles beim Alten bleibt.

„Deswegen ist jetzt Corona im Anflug“, hat kürzlich eine Bekannte gemeint.

„Aha?“, erwiderte ich und wies darauf hin, dass in dem Zusammenhang eher von „gelandet“ und „angekommen“ die Rede sein müsse. Den Start der Epidemie hätten wir ja womöglich verschlafen.

„Du bist also auch einer von den Pandemie-Trompetern“, sagte sie daraufhin, lachte und fragte: „Findest du es nicht auffällig? Weltweit werden Menschen immer älter, die Lebensspannen statistisch gesehen immer länger. Die sogenannte Überalterung der Gesellschaft gilt als zentrales Problem von Wohlfahrtsstaaten. Wer soll die Renten der vielen alten Leute bezahlen? Und dann kommt so ein neues Virus und haut wie auf Bestellung bei den Senioren rein. Die Jungen, kann man ja überall lesen, haben mit Corona meistens überhaupt keine Probleme. Ich weiß, klingt zynisch. Aber findest du das etwa nicht auffällig?“

Auffällig in welchem Sinne? Seltsame Zusammentreffen betrachte ich nicht als Einladung, Verschwörungstheorien daraus zu zimmern. Das neue Coronavirus SARS-CoV-2, denke ich, hat niemand absichtlich in die Welt gesetzt. Allein schon deshalb nicht, weil es vor allem denjenigen schadet, denen man in diesem Zusammenhang Interesse an einer Täterschaft andichten könnte. Doch als Beschleuniger notwendigen Wandels, so zynisch dies auch klingen mag, könnte es sich immerhin als hilfreich erweisen.

Eine Stille wie am Heiligabend vor der Bescherung. Wir hocken zuhause zusammen und warten auf den Moment des gegenseitigen Beschenkens?
Was ist das eigentliche Geschenk in dieser Situation?
Schon als Kind liebte ich die Verlangsamung, die bereits in den Morgenstunden des Heiligabend zu beobachten war. Ich stromerte durch die Straßen unseres Viertels und nahm die besondere Stimmung in mich auf. Weil in jenen Jahren meistens Schnee lag, knirschten meine Schritte und eine freudige Erwartung klingelte wie Weihnachtsglocken in meinem Kopf. Heute weiß ich, dass diese Erfahrung die eigentliche schöne Bescherung war.
In Berlin ist plötzlich Frühling. Ein Frühlingsanfang wie ich ihn noch nie erlebt habe. Zu sagen, ich bin davon begeistert ist, falsch. Aber ein frischer Hauch von Aufbruch liegt in der Luft. Und die Nachdenklichkeit und Innerlichkeit, die ich bei anderen Menschen zu bemerken meine, ist sicherlich hilfreich, damit sich auch diese Zeit des Wandels als Geschenk erweist. Könnte sein, dass dies der Anfang einer neuen Achtsamkeit und die Geburtsstunde eines gesünderen Bewusstseins ist.

Ich schreibe dies in der Hoffnung, einen passenden Ton gefunden zu haben. Um die wachsende Not in Krankenhäusern wissend. Voller Mitgefühl für die Heldentaten von Pflegepersonal, MTAs und Ärzten. Ausgezehrt von langen, oft nicht enden wollenden Schichten, müssen sie erkennen, dass die Dienste dieser Tage noch länger werden. Doch das ist eine andere Geschichte.

Ihr – Otmar Jenner

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Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt

By Nachrichten

Jetzt online: Spirituelle Medizin gegen Angst und Frustration durch wachsende Isolation.

Wir sind nicht dafür gemacht, wie Einsiedler zu leben. Doch was tun, wenn man gezwungen ist, zu Hause zu bleiben? Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt?

Die Möglichkeit auf mentaler Ebene Kraft zu tanken, ist dieser Tage wichtiger denn je.

Die Psyche mit Methoden der Spirituellen Medizin vitalisieren. Subtile Energie tanken. Die Begegnung mit sich selbst riskieren. Nutzen Sie die Zeit des forcierten Rückzugs zum geistigen Wachstum.

Das hilft gegen Frustration, Angst und Depression.

Isolation ist Folter. Menschen in Einzelhaft wissen, wie schrecklich das ist. Soziale Isolation droht plötzlich europaweit. Firmen verdonnern Angestellte zum home office. Absonderung als Notwendigkeit im Kampf gegen einen viralen Feind. Und im Schatten der coronaren Erregung grassiert die Unzufriedenheit.
Eine Unzufriedenheit, die sich mit zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit zur Frustration auswachsen und in Depression münden kann.

In Zeiten des Umbruchs und der Krise ist psychische Stabilität das Wichtigste!

Psychische Stabilität vitalisiert auch körperlich und ermöglicht ruhiges, kalkuliertes Abwägen. Kraft, die aus der Ruhe kommt, wird jetzt gebraucht. Der Wille, die gegenwärtigen Herausforderungen anzunehmen. Ein Einlassen auf den Umbruch.

Anders ausgedrückt: nehmen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, Corona sportlich. Erlernen Sie Methoden, die ich als Spirituelle Medizin zusammengefasst und systematisiert habe, um der Ansteckung durch negative Gedankenmuster zu entgehen.

Dies ist jedoch keine Einladung zur Verniedlichung der Gefahr einer Ansteckung mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 und Erkrankung an covid 19. Beachten Sie die Hinweise der Gesundheitsämter und verhalten Sie sich auf eine Weise, die andere Menschen schützt.

Doch zur Erinnerung: wir leben in der friedvollsten Zeit aller Zeiten in Europa. Noch nie zuvor herrschte in dieser Weltgegend so lange Frieden. Das ist schön. Das ist wunderbar. Es erscheint uns normal, was auch schön ist – wenn wir diese Normalität denn zu schätzen wüssten.

Corona ist kein Krieg. Das Corona-Virus breitet sich radikal aus, und das wird Folgen haben für jeden von uns. Damit ist Corona ein anderes Wort für Veränderung und in gewisser Weise auch Optimierung. Durch Corona werden wir lernen, in dicht besiedelten Regionen gesünder und nachhaltiger miteinander umzugehen.
Angenommen, Corona wäre eine Lady gleichen Namens. Derzeit zeigt sie ein furchterregendes Gesicht. Man könnte Angst vor ihr bekommen. Vorübergehend und im Sinne eines Weckrufs ist das durchaus sinnvoll.
Liebe Lady Corona, wir haben Dich ja gehört. Nun gilt es, zu lernen, mit der Lady zu leben.

Die Zeit des Übergangs wird herausfordernd sein, womöglich auch hart werden. Doch wir werden daran wachsen. Und in diesem Bewusstsein gewinnen wir psychische Vitalität und Stabilität.

Spirituelle Medizin, Meditation und die Kunst des positiven Denkens – das sind Heilmittel in Zeiten der Angst und des schnellen Wandels.

Achten Sie auf meine Online-Seminare. Finden Sie Freude an der neuen Innerlichkeit. Wenn die Sonne in uns scheint, wird es selbst im Keller hell. Bleiben Sie dran.

Ihr – Otmar Jenner

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Virale Erregung & Sport ab 60

By Nachrichten

Zur viralen Erregung:

Schützt Spirituelle Medizin gegen das Corona-Virus?
Nein. Auch nur den Eindruck zu erwecken, wäre falsch.
Selbst eine gewöhnliche Grippe ist mit den Methoden der Spirituellen Medizin nicht aufzuhalten und kaum abzumildern.
Weil Menschen mit Vorerkrankungen eine eingeschränkte Vitalität haben, stecken sie sich umso leichter mit einer Grippe an und leiden verstärkt daran. Dies gilt offenbar verschärft für Covid-19.
Kein Wunder, dass es weltweit zum Thema wurde, zunehmend hysterisch aufgeladen durch eine coronare Erregung, die sich viral in sozialen Netzwerken und Medien verbreitet.
Denn es grassiert auch die Angst.
Sich damit anzustecken, ist ebenfalls wenig heilsam, denn es bewirkt eine zusätzliche Schwächung, nämlich einen Kraftverlust der Psyche.

Was bedeutet es, sich mit Angst zu infizieren?

Wenn es einen zureichenden Grund gibt, ist Angst sinnvoll, denn sie alarmiert und weckt somit den Impuls, einer Gefahr auszuweichen.
Corona ist eine Gefahr und es ist sinnvoll, ihr auszuweichen.

Wie sinnvoll dies ist, hat sich inzwischen herumgesprochen.

Die Welt ist in der Sache hellwach. Angst als Weckruf wird daher nicht mehr gebraucht. Der Alarm darf verklingen, die Angst sich auflösen. Nun ist Gleichmut gefragt. Also kluges Abwägen von Möglichkeiten, um möglichst sinnvolles Handeln zu fördern.
Als ehemaligen Journalisten interessiert mich, wie Medien die Angst schüren und Politiker sich die allgemeine Hysterie zunutze machen, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und ihre Position zu festigen. Doch dies ist nur insofern Thema hier, als es den lähmenden Aspekt der Angst verstärkt. Eine Angst, die dafür sorgt, dass einem die Lichter ausgehen. Diese innere Finsternis ist auch eine Infektion.

Gegen diese Dunkelheit im Kopf hilft Spirituelle Medizin. Sehr und mehr.

Deshalb biete ich in der nächsten Zeit vermehrt Online-Seminar zum Thema.
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Sport mit ab 60:

Siehe unten:

„Beweg Dich!“ steht auf dem Cover des Magazins FOCUS (11/20). Die entsprechende Titelgeschichte innen heißt „Der Kick im Alter“. Habe ich geschrieben, dafür sportliche Mitstreiter gesprochen und mehrere Koryphäen der Sportmedizin in Deutschland interviewt. Ein Thema, für das ich derzeit brenne. Nicht zuletzt, weil ich die Segnungen körperlicher Aktivität am eigenen Leibe beobachten kann. Ich bin 61 Jahre alt und fühle mich derzeit fitter als jemals zuvor im Leben. Das wiederum finde ich so abenteuerlich, dass ich mich aufgefordert sah, die Reportage in der Zeitschrift zu schreiben und darüber hinaus ein Buch. Letzteres ist noch nicht ganz fertig. Wird also noch einige Zeit dauern, bis es erscheint. Das oben genannte Magazin mit meiner Reportage ist noch bis zum 13.3. erhältlich.

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Trauma & Traumaablösung 10.

By Nachrichten

Wo sitzt das Gedächtnis eines Menschen? Im limbischen System werden Erfahrungen gespeichert und im Neocortex verarbeitet, was Lernen ermöglicht. Allerdings lernt auch der Darm, denn Erfahrungen wirken sich auf die Peristaltik wie auch die Darmflora aus, was u. a. Folgen für den Hormonhaushalt hat. Eine Rückkoppelung, die wiederum bis ins Gehirn und das limbische System reicht und die kognitive Befähigung und mentale Befindlichkeit beeinflusst. Wenn ein Knochen bricht und wieder heilt, ist er hinterher stabiler als vorher. Hat also auch was gelernt. Die Lunge lernt auch ständig. Nämlich, dass sich im Wald besser atmen lässt als in der Stadt, Rauchen eher ungesund ist. Zum Glück hat die Lunge ein spezielles Wissen in der Hinterhand, nämlich wie sich etwa nach einer Raucherentwöhnung ein bemerkenswert effektives Reparaturprogramm in Gang setzen lässt.
Man könnte diese Liste für sämtliche Organe des Körpers fortsetzen. Der Magen macht Erfahrungen, lernt also. Ebenso das Herz, die Leber, die Nieren und so weiter. Tatsächlich lernt so gesehen auch die Lymphe. Und Blut wird trainiert. Selbst Mitochondrien, sogenannten Organellen in unseren Zellen und eine Art mikroskopische Dinosaurier – selbst die lernen. Und sind je nach Erlerntem besser oder schlechter drauf. Letzteres kann zu gravierenden Krankheiten führen.
Menschen lernen aus Erfahrungen. Ausnahmslos und immer. Selbst, wenn es nicht so wirkt. Und ganz besonders lernen sie aus negativen Erfahrungen. Nach einer solchen Erfahrung fühlen sie sich schlechter als vorher. Wie Kinder, die lernen, dass Herdplatten heiß sind. Nach dem selben Prinzip lernt der Magen, die Lunge, der Darm, das Blut und lernen auch sämtliche Bakterien in uns, sogar die Mitochondrien.

Diese Lernprozesse insgesamt sind das, was wir Leben nennen.

Wäre eine vollständige Betrachtung sämtlicher gemachter Erfahrungen und des damit verbundenen Lernens bis in die hintersten und innersten Winkel des menschlichen Körpers hinein möglich, so würde sich daraus eine Baumstruktur biologisch-mentaler Wechselwirkungen ergeben – eine Kartierung individueller Existenz.
Staunenswert, so gesehen. Und immer wieder schrecklich im Ergebnis. Denn diese Wechselwirkungen entscheiden über Gesundheit, Krankheit, ein langes Leben, ein kurzes, den Tod.
Es sind die Wechselwirkungen zwischen der Psyche und dem Körper eines Menschen. In Resonanz mit der Umwelt. In Beziehung zu anderen Menschen. In der Beziehung zu sich selbst. Beruhend auf Erfahrungen mit sich selbst, mit anderen Menschen und der Umwelt. Das Studium und die Entschlüsselung dieser Wechselwirkungen ist eine der herausforderndsten und gleichzeitig dankbarsten Aufgaben der Gegenwart. Fortgeschritten ist das Wissen darum leider noch nicht. Wahrscheinlich Bachelor-Niveau, wenn überhaupt. Die Masterarbeit steht jedenfalls noch aus. Nicht zu reden von einer Promotion. Doch das ist eine andere Geschichte.

Prinzipiell schalten und walten in allen Menschen ja die gleichen Wechselwirkungen, doch sind es niemals dieselben. Weswegen es einigen besser geht, anderen schlechter. Woraufhin manche aus gewissen Wechselwirkungen sinnvoll lernen, weshalb es ihnen dann besser geht. Während andere weniger sinnvoll lernen und leiden.
Klar, schön wäre es nun, wenn diese Wechselwirkungen einfach zu fassen wären. Doch das sind sie nicht. Die Wirkungen individuellen Daseins verästeln sich bis innerste Gewebe und bewirken auf eine so komplexe Weise Befindlichkeit, dass es immer wieder Anlass für große Verblüffung gibt, nicht selten auch Grund zur Verzweiflung.
Und diese Rätselhaftigkeit individuellen Daseins, könnte man denken, nimmt eher zu als ab. Womöglich gerade in Zeiten beschleunigten Wissenszuwachses.

Ein Segen, wenn es in dem Zusammenhang auch einfache Dinge gibt.

„Das hat mir wirklich geholfen“, erklärt ein Freund, den ich als N. abkürzen möchte. „Um ehrlich zu sein. Ich hatte nicht damit gerechnet. Wie lange sind wir jetzt befreundet? Zwanzig Jahre? Haben früher auch zusammen gearbeitet. Dann hast du dich ja dem Thema Heilen zugewandt. Ich fragte mich, was wird das jetzt? Dann bekam ich die Probleme mit meiner Ehe, Scheidung, das Hin-und-Her mit den Kindern. Furchtbar. Wir kennen uns so lange. Hast du zwar mitgekriegt, aber eher am Rande. Dann das Gezerre um die gemeinsame Wohnung. Ein Traum, einfach so weg. Dann die Depression. Kam morgens nicht aus dem Bett. Verbrachte schließlich ganze Tage darin. Der Job bei der Zeitung … auch tot. Ging zum Psychologen, ging zum Neurologen, machte Therapie, nahm Antidepressiva. Das half. Ein wenig. Nicht ausreichend. Ich fühlte mich in einem Abgrund gefangen. Auch tagsüber war Nacht.“

„Ich erinnere mich“, erwidere ich. „Du dachtest, ich hätte dich abgeschrieben. Aber so war es nicht. Als Freund konnte ich dir zuhören, auch gut zureden. Hilfe suchtest du bei anderen. Nur logisch, eigentlich. Wer will das schon, dass der Freund zum Therapeuten wird?“

N.: „Und dann hast du es mir doch angeboten. Komm am Dienstag in die Praxis, hast du gesagt. Warum?“

„Weil ich gedacht habe, jetzt muss ich es versuchen – ja, dir zu helfen. Trotz Freundschaft, trotz möglicher Zweifel deinerseits. Trotz all dem, was sonst noch dagegen spricht. Und … du hast dich darauf eingelassen.“

N.: „Ich war so verzweifelt, dass mir alles egal war. Ja, ich war sehr skeptisch. Konnte mir das auch irgendwie nicht vorstellen, zu meinem Freund Otmar in die Praxis zu gehen, damit er mich behandelt. Der Otmar, mit dem ich sonst ein Bier und Kaffee trinken gehe, über die neusten Filme rede oder unsere gemeinsame Zeit bei der Zeitung. Echt schräg, Mann.“

„Ich erinnere sehr genau an den Moment, wo die Praxishelferin in mein Zimmer kam und sagte: Ihr Freund ist da. Okay, dachte ich, jetzt gilt’s. Ich hatte Familienmitglieder behandelt, aber noch niemanden aus dem direkten Freundeskreis. Und dann standest du in der Tür, setztest dich. Wir begannen zu reden. Und du hast erzählt.“

N.: „Ja, ich habe einfach alles rausgehauen, was mir eingefallen ist.“

„Es war wie ein Dammbruch. Und ich wusste, dass etwas möglich wird.“

N.: „Was möglich? Und welchen Moment meinst du?“

„Den Moment größter Trauer.“

N.: „Ja, ich war plötzlich voll davon. Hat mich selbst erstaunt.“

„Dann bat ich dich auf die Liege.“

N.: „Okay, was wird das jetzt?, dachte ich. Du hast mich am Bauch und am Brustkorb berührt und erklärt, ich möge tief ein und wieder aus atmen. Ich habe zunehmenden Druck gespürt. Es wurde eng. Unerträglich eng. Und plötzlich ganz weit.“

„In dem Moment, wo ich die Hände weggezogen und mehrmals in die Hände geklatscht habe? Oder etwas später mit der wischenden Bewegung über deinem Kopf?“

N.: „Ich glaube, mit dem Wischen. Was hast du da weggewischt?“

„Eine tief sitzende Verletzung. Du weißt, wovon die Rede ist?“

N.: „Ja, Vernachlässigung am Anfang meines Lebens.“

„Genau.“

N.: „Danach bin ich von der Liege aufgestanden und dachte, das kann es doch nicht gewesen sein. So simpel? Unmöglich. Netter Versuch, habe ich mir gesagt und bin nachhause gegangen.“

„Und?“

N.: „Von dem Tag an hatte ich keine Probleme mehr, morgens aus dem Bett zu kommen. Antidepressiva brauchte ich auch nicht mehr. Wozu bin ich eigentlich all die Jahre zur Therapie gegangen?“

Eine Frage auf die ich keine Antwort weiß. Was ich jedoch weiß: Der Moment meiner Intervention muss für meinen Freund richtig gewählt gewesen sein.

Nochmal: Freunde therapieren, auch Ehepartner, die eigenen Eltern, die Kinder – aus psychologischer Sicht ein No Go. Verbietet sich wegen Befangenheit, möglicher Interessenskonflikte und anderen Gründen. Dennoch – oder umso erstaunlicher und der Anlass, warum ich hier davon erzähle: es hat funktioniert. Die Methode der Traumaablösung (Trauma Abscission & Removal – TAR) ist so einfach, so eindeutig und tief greifend wirksam, dass sie auch unter vergleichsweise widrigen Bedingungen große Erfolge bringen kann. Nur deshalb berichte ich hier von diesem Sonderfall. Einem Freundschaftsdienst, der erfolgreich war. Die Verkettung problematischer Wechselwirkungen war bei N. damit offenbar gelöst. Ein Reset hatte stattgefunden.Wie gesagt: TAR ist ein von mir entwickeltes Verfahren, um methodisch und nachhaltig auf den Charakterpanzer eines Menschen einzuwirken. Zur Erinnerung: Der Begriff „Charakterpanzer“ stammt von Wilhelm Reich und bezeichnet die auf traumatischen Erfahrungen beruhende muskuläre Panzerung eines Menschen. Die „erstarrte Lebensgeschichte eines Menschen“, die „als funktionelle Summe aller vergangenen Ereignisse“ im gegenwärtigen Moment zu begreifen ist, um es genau zu sagen. Eine Panzerung, die weiter fortgeschrieben wird und im weiteren Verlauf der Biographie mit weiteren negativen Erfahrungen zunimmt.

An dieser Stelle von Anspannungen oder Verkrampfungen zu reden, könnte die Vorstellung von Leserinnen und Lesern allerdings in eine falsche Richtung lenken. Denn Anspannungen und Verkrampfungen, etwa Schmerzen im Nacken, im Rücken oder anderswo sind eher vorübergehender Natur und sitzen weniger tief. Die Muskuläre Panzerung löst sich nicht in einer Ruheposition bei vordergründiger Entspannung. Es gibt jedoch „vordergründige“ Indizien für eine tief sitzende und damit charakterliche Panzerung. Nächtliches Zähneknirschen ist eines davon. Wer im Schlaf die Zähne aufeinander presst, versucht damit unbewusst Druck aus dem Charakterpanzer abzugeben.
Der Charakterpanzer eines Menschen ist nach meinem Verständnis auch die Summe aller biologisch-mentalen Wechselwirkungen, die dieser Mensch im Zuge seines bisherigen Lebens erfahren hat. Knapp gesagt: was auch immer eine Mensch erlebt, es addiert sich, summiert sich und hat ein Ergebnis: aktuelle Befindlichkeit. Was sich allerdings besonders addiert und summiert: negative Erfahrungen. Deutlich stärker jedenfalls als positive. Und die größte destruktive Intensität auch im Sinne negativen Nachhalls bewirken Traumatisierungen. Traumatisierungen prägen und färben die Summe, also den Charakterpanzer. TAR setzt genau da an. Das bestmögliche Ergebnis ist ein Reset.

Beitrag 6 bleibt die Referenz. Mehr zu weiteren Aspekten in Folgebeiträgen …

Bleiben Sie dran!

Ihr – Otmar Jenner

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Trauma & Traumaablösung 9.

By Nachrichten

Weiterhin bleibt der Artikel „Trauma & Traumaablösung 6.“ die Referenz. Denn in diesem Beitrag geht es um C. (Exploration und Intervention auf der Behandlungsliege) – das eigentliche Verfahren der Traumaablösung (Trauma Abscission & Removal – TAR).

Das Vorgespräch (siehe Artikel 7 dieser Reihe) hat Hinweise auf ein Trauma ergeben. Ein positiver Anker konnte gefunden werden (siehe Artikel 8). Die kinesiologische Testung (ebenfalls 8) verweist auf ein aktives Trauma. Nun nähert sich der Moment der Traumaablösung (TAR) – falls keine Ausschlusskriterien dafür vorliegen.

Zur Erinnerung: Exploration und und Intervention auf der Behandlungsliegen haben einen körperlichen Aspekt für K (Klient/in). Die Berührung durch T (Therapeut/in) könnte einen Impuls bekommen, der die physischen Möglichkeiten von K übersteigt. Falls K etwa unter Osteogenesis imperfecta leiden würde, der sogenannten Glasknochenkrankheit, oder Osteoporose im Brustbereich. Ähnliche Instabilität kann sich auch durch einen Tumor im Brustbereich ergeben. Bei bereits bestehenden Brüchen im Sternum, also dem Brustbein, ist gleichermaßen von dem Verfahren abzusehen. Ein Herzschrittmacher wäre ebenfalls ein Ausschlusskriterium. Auch eine mögliche Empfindlichkeit im Brustbereich ist unbedingt genau zu hinterfragen.

Falls kein Ausschlusskriterium vorliegt, legt K sich mit dem Rücken auf die Behandlungsliege (siehe dazu Artikel 6 dieser Reihe). Dies geschieht idealerweise unmittelbar nach der kinesiologischen Testung. Denn Vorgespräch und Testung haben eine emotionale Welle bei K bewirkt. Die Traumaablösung (TAR) sollte erfolgen, solange diese Welle rollt (um es bildlich auszudrücken). Wenn die Welle bereits ausgerollt ist, die Emotionen also wieder verklungen sind, wäre das Verfahren wahrscheinlich weniger erfolgreich.
Mit dem Rücken auf der Liege ausgestreckt bekommt K von T die Empfehlung, sich im Falle eines körperlichen wie seelischen Empfindens von Not so bemerkbar zu machen, dass die Ablösung des Traumas abgebrochen werden kann.
Wünschenswert ist allerdings, dass dies nicht geschieht, dass K vielmehr durch den Prozess geht, um im Anschluss die Erfahrung der Erleichterung zu machen. Gleichbedeutend mit einer wahrscheinlich erfolgreichen Traumaablösung.
Sobald K liegt, platziert T die Hände. Eine Hand auf Ks Bauch, die andere Hand auf Ks Brustbein (Herzchakra). Die Hand am Bauch weist mit den Fingerspitzen zu einer Seite (also nicht in Richtung des Unterleibs). Die Hand auf dem Brustbein weist mit den Fingerspitzen in Richtung Hals – berührt diesen jedoch keinesfalls. Auch eine Berührung mit dem Busen ist unbedingt zu vermeiden. Nicht zuletzt, weil weibliche K häufig durch männliche Übergriffe traumatisiert sind. Weswegen sie ohnehin bei weiblichen T besser aufgehoben sind als bei männlichen.

Ich habe Frauen mit unterschiedlichsten Traumatisierungen behandelt – auch Frauen, die an den Folgen von sexuellen Übergriffen litten. Sie kamen zu mir, weil das Leiden an diesen Folgen größer war, als die Neigung mir als männlichem Therapeuten aus dem Wege zu gehen. Umso mehr wünsche ich, dass weibliche T dieses Verfahren lernen, beherrschen und anwenden. Die Welt ist voll von Frauen, die schwere seelische Verletzungen erlitten haben und auch an den Schwierigkeiten leiden, diese wieder loszuwerden.

T sagt zu K auf der Behandlungsliege, K möge nun bitte die Augen schließen, sie am besten erst auf Aufforderung von T wieder öffnen (bei Bedarf allerdings jederzeit), um sich nun an die bereits genannte traumatische Erfahrung zu erinnern und dabei tief ein- und auszuatmen.
T „folgt“ mit den platzierten Händen dem Atem von K sobald K ausatmet. Am tiefsten Punkt „hält“ T die Hände. K muss beim nächsten Atemholen also „dagegen an“ atmen. Dies bewirkt ein Gefühl des In-den-Körper-von-K-Hineingreifens. De Facto eine physische Illusion. Denn natürlich greift T nicht in den Körper von K. Doch wenn K ausatmet, senkt sich der Brustkorb und auch ein wenig der Bauch von K, und T kann sehr wohl dieses fast körperliche Gefühl haben, etwas in K zu greifen. Tatsächlich ist dies ist eine psychisch-energetische Exploration am Charakterpanzer von K. Sehr konzentriert spürt T nach etwa 5 bis 15 Atemzügen von K ein Kribbeln in einer oder beiden Händen. Indiz für einen Kontakt mit Ks tief sitzendem Trauma.
Im Moment des Kribbelns in den Händen von T hebt T die Hände mit einer schnellen Bewegung von Ks Bauch und Brustbein. Ohne sich dabei jedoch von Ks Bauch und Brustbein abzustoßen oder auch abzustützen. Ein Fehler, den nicht wenige T zu Beginn machen, wenn sie die Traumaablösung (TAR) zu erlernen beginnen. Ein derartiger zusätzlicher Druck kann eine kinetische Addition bewirken, die dann tatsächlich körperlich schädigend wirkt.
T hebt nun also beide Hände und klatscht einmal oder mehrfach in die Hände. K könnte sich dabei leicht erschrecken. Obwohl dies eher als unangenehm empfunden wird, ist es dennoch hilfreich. Weil ein plausibler akustischer Impuls, der dazu dient, den wahrscheinlich unterbewusst bereits realisierten Release-Effekt auch unterbewusst zu verankern. Damit ein suggestiver, wenn nicht hypnotischer Vorgang.
Wie der akustische Impuls gesetzt wird, ist nach meiner Erfahrung nicht wichtig. Ein Fingerschnipsen täte es auch. Ich bevorzuge jedoch das Klatschen in die Hände, weil dieses Signal intensiver ist.

Damit wird innerlich bei K etwas gelöst. Was?, könnte man fragen. Nennen wir es: ein Muster. Damit dieses Muster vollständig aufgelöst wird, streicht T nun mit einer Hand etwa 10 bis 20  Zentimeter über Ks Körper – ohne diesen jedoch dabei zu berühren. T beginnt mit der Streichbewegung in Höhe von Ks Bauchnabel, streicht  in Richtung von Ks Kopf und ein wenig darüber hinaus. Je nach Gefühl, zwei, drei Mal, manchmal auch mehr.
Bis nämlich der eigentlich spürbare Release-Effekt eintritt. Eine Energiewelle, die von K ausgeht und für T spürbar ist. Sicheres Anzeichen dafür, dass die Traumaablösung (TAR) erfolgreich war. Nein – dies ist keine Geheimwissenschaft. Man muss nicht sonstwie abgehoben sein, um diese Wahrnehmungen haben zu können. Es reicht ganz normale Sensibilität. Zu der, das behaupte ich jedenfalls, jeder einigermaßen empathische Mensch fähig ist. Sofern man dazu befähigt sein will.

Mir ist bewusst, dass diese Beschreibung wenig wissenschaftlich klingt und für rationale Gemüter daher womöglich dubios. Ich gebe darauf zu bedenken, dass Körper, Geist und Seele nicht entkoppelt sind, sondern ineinander verschränkt existieren. Was auch immer ein Mensch körperlich erlebt – hat eine Auswirkung auf seine Seele. Wie auch immer ein Mensch sich seelisch fühlt – es hat eine Auswirkung auf seine Biologie. Nur weil diese Wechselwirkung wenig erforscht ist und die Arbeit am Charakterpanzer so gut wie gar nicht durch Studien dokumentiert wurde, ist hier nicht von einer schwachen Wechselwirkung auszugehen. Im Gegenteil: Ich beschreibe das Verfahren TAR auch deshalb so genau, damit sich die psychologische Forschung ermuntert fühlt, sich der hier dargestellten Methode in Zukunft zu widmen.

Legal Note: Ich habe das Verfahren der Traumaablösung (Trauma Abscission & Removal – TAR) entwickelt und bin daher der Urheber. Therapeuten/innen sind eingeladen, dieses Verfahren zu nutzen und sich zu eigen zu machen. Jedoch mit dem Hinweis auf meine Urheberschaft. Publikationen dazu, das möchte ich an dieser Stelle in aller Klarheit bekräftigen, bedürfen somit einer Autorisierung durch mich.
Mehr zu weiteren Aspekten in Folgebeiträgen …

Bleiben Sie dran!

Ihr – Otmar Jenner

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Trauma & Traumaablösung 8.

By Nachrichten

Artikel 6 bliebt die Referenz für das Verfahren der Traumaablösung Trauma Abscission & Removal (TAR) nach Otmar Jenner. In diesem Text geht es um (B) – also das Finden eines sog. Ankers im Vorgespräch (A) und daran anschließend Abläufe. Nämlich:

B.a.: Das Finden eines positiven Ankers. Ganz einfach: eine besonders schöne Situation / Erfahrung im Leben von K (Klient*in). Diese Situation / Erfahrung sollte T (Therapeut*in) knapp aber anschaulich beschrieben werden, damit T diesen positiven Anker setzen kann, falls K bei der Traumabehandlung mit Anzeichen einer Retraumatisierung reagiert.

B.b.: Das Benennen des Traumas, welches im Lauf der Sitzung bearbeitet werden soll. Dafür benennt K die gravierendste, ihm zugefügte seelische und / oder körperliche Verletzung. Und konzentriert diese traumatische Erfahrung dann zu einem Satz (Beispiel: Mein Vater hat mich im Keller mit einem Gürtel geschlagen).

B.c.: Kinesiologische Testung der Trauma-Aktivität. Hilfreich auch, damit K wie T einen Eindruck von der gegenwärtigen Relevanz des Traumas bekommt.

Zu B.a.: Das Finden eines positiven Ankers. Wird von T im Zusammenhang mit der Traumaablösung (TAR) bei K häufig vergessen. Was natürlich verständlich ist, wirkt das Suchen eines positiven Ankers in der Sitzung doch wie eine zwar angenehme aber überflüssige Ablenkung von der destruktiven und einschneidenden Erfahrung durch das zu behandelnde Trauma.
Allerdings: Da vor der Behandlung meistens nicht abzuschätzen ist, ob der Anker hinterher gebraucht wird, sollte der Anker im Anschluss unmittelbar verfügbar sein. Dafür muss er jedoch vorher gefunden und somit aktivierbar sein.
Welcher Zeitpunkt ist dafür ideal? Ein Moment, der möglichst wenig ablenkt. Dies ist wahrscheinlich der Anfang des Vorgesprächs. Wenn deutlich wird, dass es bei der Sitzung um eine Traumaablösung (TAR) gehen wird, sollte der Anker gefunden und aktivierbar sein.
Was bedeutet ‚aktivierbar‘? K hat T ein sehr schönes Erlebnis genannt und auch genau genug beschrieben, dass T – falls notwendig – zu K sagen kann: „Jetzt erinnern Sie sich bitte an …“ Diese Aufforderung ist das sogenannte Setzen des Ankers. T muss diese entscheidenden Sätze also bereits vor Beginn der Traumaablösung (TAR) im Geiste vorformuliert parat haben.

Zu B.b.: Im Vorgespräch ist eine seelische Verletzung (vielleicht auch mehrere) thematisiert worden. Nun bedarf es der Fokussierung. Falls mehrere verletzende Ereignisse stattgefunden haben. Wird eins davon ausgewählt. Wahrscheinlich, das mit dem größten Schmerzimpuls. Oder, im Gegenteil, jenes mit der geringsten Schmerzintensität – etwa, weil K sich „heran tasten“ möchte. T kann K auch fragen: Woran wollen Sie in dieser Sitzung arbeiten?
Ist die traumatische Erfahrung benannt, sollte das Ereignis in einem Satz konzentriert werden (weiteres Beispiel: Als meine Mutter mich im Supermarkt vergessen hat).

Zu B.c.: Der kinesiologische Test. Getestet wird am linken Arm. Nur wenn es links nicht möglich ist, erfolgt der Versuch einer Testung am rechten Arm.

  1. T bittet K den linken Arm zu heben und in einem rechten Winkel, also horizontal vom Körper weg zu strecken, und mit Gegendruck zu reagieren, wenn T dann diesen Arm mit den Händen etwa am Handgelenk greift und dann für etwa 2 Sekunden nach unten zieht. K hält dagegen, drückt den Arm also nach oben. T spürt Ks Kraft und sagt daraufhin zu K: „Dies ist ein Ja.“
  2. Dann sagt T zu K: „Ich kann mit Ihnen testen“. Zieht gleich daraufhin den Arm wiederum nach unten. K hält wiederum dagegen. Ist ein deutlicher Kraftabfall zu spüren, so ist das ein Nein. Und die Schritte 1 und 2 sollten am rechten Arm wiederholt werden. Im Falle eines Ja weiter mit 3.
  3. „Ihr Trauma …“, sagt T zu K, dieses nennend, „ist noch zu 70 % aktiv.“ Wenn die muskuläre Reaktion schwach ausfällt, also mit einem Nein, weiter mit 7. Sonst 4.
  4. „Ihr Trauma …“, sagt T zu K, dieses nennend, „ist noch zu 80 % aktiv.“ Falls nun ein Nein erfolgt, so liegt das Ergebnis zwischen 70 und 80 Prozent. Im Falle eines Ja jedoch darüber.
  5. „Ihr Trauma …“, sagt T zu K, dieses nennend, „ist noch zu 90 % aktiv.“ Falls nun ein Nein erfolgt, so liegt das Ergebnis zwischen 80 und 90 Prozent. Im Falle eines Ja jedoch darüber. Auch mit einem Ja endet die Testung an dieser Stelle. Ein Ergebnis zwischen 90 und 100 Prozent ist ausreichend genau.
  6. Die kinesiologische Testung verstärkt bis zu diesem Punkt die Fokussierung von K auf das Trauma, was im Ergebnis den Release-Effekt intensivieren wird.
  7. Falls die 70-prozentige Aktivität verneint wurde, sagt T nun: „Ihr Trauma … ist noch zu 60 % aktiv.“ Falls dies mit einem Ja beantwortet wird, endet die Testung hier. Falls ein Nein kommt, weiter mit 8.
  8. „Ihr Trauma …“, sagt T zu K, dieses wiederum nennend, „ist noch zu 50 % aktiv.“ Wenn die muskuläre Reaktion kraftvoll ausfällt, also ein Ja bedeutet, endet die Testung an dieser Stelle. Falls wiederum ein Nein kommt, weiter mit 9.
  9. „Ihr Trauma …“, sagt T zu K, dieses erneut nennend, „ist noch zu 40 % aktiv.“ Wenn die muskuläre Reaktion kraftvoll ausfällt, also ein Ja bedeutet, endet die Testung an dieser Stelle. Das Trauma ist zwar schwach aktiv, kann aber dennoch bearbeitet werden. Falls wiederum ein Nein kommt, weiter mit 10.
  10. „Ihr Trauma …“, sagt T zu K, dieses nennend, „ist noch zu 30 % aktiv.“ Wird dies mit einem Ja beantwortet, ist eine Traumaablösung (TAR) möglich, wird allerdings später wahrscheinlich zu einer schwachen Release-Reaktion führen. Dies gilt umso eindeutiger für ein Nein. Denn damit liegt die „Traumaaktivität“ unterhalb eines für die Anwendung von C sinnvollen Schwellenwertes. Dann würde C (Exploration und Intervention auf der Behandlungsliege – mit den Schritten C1 – C10 von TAR entfallen. Stattdessen könnte D (Stimulierung der Hirn-Hemisphären und TAR-Add-On durch gezielte Augenbewegung – mit den Schritten D1 – D6) erfolgen. Und / oder mit E (TAR-Add-On durch Tönen / Singen der Kriegersilben – E1 – E3) weitergearbeitet werden.

Mehr zu den weiteren Schritten in Folgebeiträgen …
Bleiben Sie dran!

Ihr – Otmar Jenner

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Trauma & Traumaablösung 7.

By Nachrichten

Der vorige Artikel (6.) ist nun die Referenz und damit die Basis der weiteren Ausführungen.

In diesem Text geht es um das Vorgespräch (A) zur Traumaablösung (Trauma Abscission & Removal nach Otmar Jenner, kurz: TAR). Ein sehr wesentlicher Bestandteil der Sitzung, bei dem es um Erinnerung und die Verarbeitung der Erinnerung geht. Erinnern ist schon schwierig genug. Doch die Frage der Verarbeitung – problematisch …
An manche Momente der Vergangenheit können wir uns klar erinnern. Andere sehen wir weniger scharf, so sehr wir es auch versuchen. Und wieder andere sind wie im Nebel versunken. Und dann gibt es noch die Momente und Zeiten, die wie ausgelöscht wirken. Diese Lücken haben es jedoch in sich. Nahezu immer deuten sie auf Traumatisierungen. Es sind die Lücken im Kontinuum des Selbst, die sich als Folgen von abgespaltenen Erfahrungen ergeben.

Die Biographie eines Menschen ist, retrospektiv gesehen, als eine einzige Erzählung zu betrachten. Der Mensch als Story, Roman eines Lebens – die verschiedenen Kapitel dieser Erzählung schreiben sich prinzipiell und logisch fortlaufend. Ein aus Ereignissen und Erfahrungen geflochtenes Band, dass im Zeitstrang weiter und weiter geknüpft wird. Doch so folgerichtig und kontinuierlich wie das Leben gestrickt wird, zeigt es sich nicht in der Erinnerung. Ereignisse werden später durcheinander geworfen, sind zeitlich schwer oder kaum zuzuordnen. Manche Momente, Zeiten, Ereignisse fehlen vollständig. So, als hätte jemand Seiten aus der eigenen Biographie gerissen.
Nichts daran ist so zufällig, wie es häufig scheint. Tatsächlich sind diese fehlenden Seiten mit Absicht ausradiert. Nämlich mit unbewusster Absicht. Wären sie genau so leicht und klar zu lesen wie die Absätze oder ganzen Kapitel aus anderen Zeiten, so würden sie den Rahmen des Buches sprengen. Tatsächlich müssen sie fehlen, damit der Besitzer der eigenen Biographie nicht von ihnen erschlagen wird.
Genau aus diesem Grund wurden die Seiten entfernt. Sagen wir, beiseite gelegt. Gut versteckt an einem schwer zugänglichen Ort, in einem Safe – nämlich in dem eigenen Unterbewusstsein. Was dort tief vergraben liegt, ist willentlich und aus eigener Kraft, auch durch noch so angestrengtes Nachdenken meistens nicht mehr auffindbar und zugänglich.

Ist doch gut so, könnte man nun denken. Was vergessen ist, darf dort gern für immer ruhen. Wäre schön, wenn es so funktionieren würde. Tut es aber bedauerlicherweise nicht. Was im Safe des Unterbewusstseins versteckt wurde, verborgen dann wie durch eine Firewall vor dem Zugriff des Bewusstseins, wirkt nach. Leider lebenslang. Und diese Nachwirkung ist sehr häufig sehr ungesund. Es ist, als ob diese tief versteckten Erinnerungen zu schimmeln und zu modern beginnen. Irgendwann muss dort gelüftet und aufgeräumt werden, damit man sich besser fühlt. Oder anders ausgedrückt: Wenn der Müll zu lange rumliegt wird eine Leiche daraus.

Das Vorgespräch ist der Versuch, ein Fenster des Bewusstseins zu öffnen, damit auch etwas Licht ins Dunkel des Unterbewusstseins dringt. En passant gewissermaßen, einem Streulicht gleich. Denn in diesem Zimmer ganz einfach und von jetzt auf gleich das Licht anzuschalten, funktioniert bedauerlicherweise nicht. Das Unterbewusstsein zu erhellen, ist ein langwieriger Prozess. Wenn das Tagesbewusstsein eines Menschen eine Taschenlampe wäre, dann bräuchte es viele Versuche, in die tiefsten Tiefen der Seele zu leuchten, bevor irgendetwas Erhellendes sichtbar wird. Die Rätselhaftigkeit des eigenen Unterbewusstseins ist wie ein Schatten, der das Licht das fokussierten Tagesbewusstseins schluckt. Oder knapper: Das Unterbewusstsein ist so irrational, dass ihm mit der Rationalität des Tagesbewusstseins nicht beizukommen ist.

Hach, dann könnte man doch alles Nachdenken, alles Nachfragen, alles Nachforschen, alles Verstehen-Wollen zum Thema Wenn, Wie, Warum einfach lassen und sich dem inneren Schmerz ergeben. Klärt sich doch ohnehin nicht auf.

Nein, falsch! Auch wenn man alte Wunden, tief sitzende Schmerzen, alte Verletzungen und deren eigentliche, im Unterbewusstsein festsitzende Gründe und Verursacher nicht einfach so wegwischen, wegdenken oder sonstwie ungeschehen machen kann. Wenn man die aus der Biographie herausgerissenen Seiten nicht einfach so hervorkramen kann. So ist doch der Versuch, sich den eigenen, tief sitzenden Verletzungen zu widmen, bereits heilsam.
Ja, allein dieser Versuch, ist wertvoll. Denn allein die Absicht, sich selbst in den eigenen Abgründen zu begegnen, hat einen positiven mentalen Effekt.
Nennen wir diesen Effekt vereinfachend: Resonanz.

Der Mensch, der sagt, ich habe einen seelischen Schmerz und möchte mich den Gründen dafür widmen – dieser Mensch schwingt in sich selbst und erlebt eine emotionale Rückkopplung. Es baut sich eine Welle auf. Tatsächlich, so meine ich, ist diese Welle größer als die darin enthaltenen Gedanken, denn sie besteht aus Gefühlen, die durch Gedanken getriggert werden.

Das Vorgespräch mit Klient / Klientin (K) dient genau dazu: Die Resonanz bei K zu bewirken und die Welle aufzubauen. Wenn die Welle da ist, also Emotionalität präsent wird, dann können die nächsten Schritte der Traumabehandlung erfolgen.

Wie genau erzeugt man als TherapeutIn (T) die Welle (der Emotionalität) bei K?

Ganz einfach: durch folgerichtiges Fragen, begleitet von echtem Interesse.

Beispiel:
Was führt Sie zu mir?
Ich habe da so ein Problem, dass mich …
Können Sie sagen, wann genau es begonnen hat?
Etwa in dem Jahr …
Was ist damals vorgefallen?
Mir ist das und das passiert …
Ich habe Sie verstanden, doch können Sie mir das noch genauer beschreiben?

Weiter und weiter fragen Sie – bis die Welle da ist. Nein, dieser Text handelt nicht vom Surfen. Doch es braucht auch hier Mut. Den Mut nämlich, ohne Scheu so genau wie möglich nachzufragen. Ihre Fragen dürfen aufwühlen, solange sie im Sinne einer therapeutischen Arbeit hingebungsvoll sind. Tatsächlich sollen Sie aufwühlend sein. Genau das bewirkt die Resonanz. Eine Resonanz, die wie ein Leitstrahl der Erkenntnis für K. Im Moment der Traumaablösung (TAR) geht ihnen dann auch sehr häufig ein Licht auf. Bildlich gesprochen.
Logisch gesagt: Es braucht das Vorgespräch im Sinne eines fast rationalen kognitiven Prozesses, damit die Traumaablösung (TAR) auf einer tieferen, nämlich irrationalen Ebene greifen kann.

Mehr in weiteren Beiträgen …

Bleiben Sie weiter dran!

Ihr – Otmar Jenner

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