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Monarchie Archives - Otmar Jenner

Das Ende der Raserei

By Food for thought

Die 70er Jahre waren funky – trotz Vietnamkrieg, Richard Nixon, Baader-Meinhof und Khomeini als Ausklang.

Die 80er begannen mit einem Marschrhythmus als Auftakt, nämlich dem russischen Einmarsch in Afghanistan und der Stationierung von Marschflugkörpern in Europa, steigerten sich zur Kakophonie der amerikanischen Iran-Kontra-Affäre und endeten mit Punk, Null Bock und dem Fall der Mauer.

Die 90er brachten Nirwanas „Nevermind“, das Ende der Apartheid, den Zusammenbruch der Sowjetunion, eine Wende im grenzüberschreitenden Stolperschritt, das angebliche Ende der Geschichte und die Erkenntnis, dass die Geschichte auch ohne Eisernem Vorhang weitergeht – zwangsläufig. Zum Beispiel mit dem zweiten Golfkrieg und dem Krieg in Jugoslawien. Die Töchter und Söhne der 90er Jahre begriffen, dass für sie, verglichen mit ihren Eltern, wenig zu verdienen war. Umso mehr berauschten sie sich an der Hoffnung auf ewigen Spaß und feierten trotzig gegen das drohende Ende ihrer Mittel an.

2000 startete mit dem Maschinengewehr-Rap von Eminem, einem schlechten Beigeschmack namens Bushido, dem Alleingang von Robbie Williams und der ernüchternden Erkenntnis, dass jede Party einmal enden muss. Fragte sich nur noch, wie. Die Antwort kam angeflogen. Und krachte am 11. September 2001 in die Zwillingstürme des World Trade Centers, Symbol westlichen Wohlstands und Wachstums.

2007/2008 dann der nächste Schlag ins Kontor: die Pleite der Lehmann Brothers. Banker, die Aktenordner aus Büros schleppten und Beyoncé, die mit „Irreplaceable“ der Frage nachging: Wo stelle ich nun was hin?
Mit dem Beginn der Wirtschaftskrise bebt weltweit der Boden – nicht nur auf dem Finanzparkett der Börsen. Kanye West wirkt zum Jahreswechsel 2008/2009 „Paranoid“ und sendet „Nightmares“ auf Autotune um die Welt. Doch die erholt sich schnell und die Welle der Erschütterung verebbt. Noch höhere Boni werden ausgezahlt. Der Hunger derjenigen, die horten wollen, bevor die nächste Verknappung kommt. Von Neubesinnung und Kurskorrektur keine Spur! Und erneut hebt die Wirtschaft ab zu weiteren Höhenflügen! Ein Hoch auf die Zahlen wie in alten Zeiten!

Jetzt sind sie natürlich im freien Fall, und es klingt nach einem Paukenschlag vorm Abgesang.

Angenommen, die gesamte Menschheit sitzt gemeinsam in einem Auto. Seit den 50er Jahren nimmt das Auto Fahrt auf. Beschleunigt in den 60er und 70er Jahren, dreht Ehrenrunden in den 80ern und 90ern, bremst kurz zur Jahrtausendwende, stoppt 2001 für eine Trauerminute, bremst wieder 2007, doch rauscht 2008 ins Jahr 2009, um 2010 wieder richtig Gas zu geben und 2011 bis 2018 full speed zu fahren. Direkt auf eine Wand zu.

Ein Mädchen stellt sich aus Protest in den Weg. Sie hält ein Stoppschild hoch und spricht deutliche Worte. Die sollen zum Innehalten anregen, doch die Menschheit stellt sich taub und rast einfach an ihr vorbei, weiter und immer weiter in Richtung Wand.

Was hören wir nun? Quietschende Reifen und die gläsernen Töne von Billie Eilish und Aurora.

Die Insassen im Auto halten sich aneinander fest. Wie zur gegenseitigen Bestätigung, dass sie die Könige der Straße sind und damit die Herren der Welt. Jeder von ihnen kennt die Wand und weiß, woraus sie besteht. Entfesselter Kapitalismus, fortschreitender Klimawandel, zunehmende Armut heißen die grundlegenden Bestandteile. Ignoranz ist der Mörtel, der alles zusammenhält. Abzubremsen wäre dringend gefordert. Doch die Insassen im Auto drücken stattdessen noch aufs Gaspedal.

Wer jetzt denken würde, er oder sie säße nicht mit im Auto, weil die Greta ja recht hat, der könnte sich jetzt ehrlich fragen: Bin ich wirklich ausgestiegen oder bilde ich mir das womöglich nur ein?

Tatsächlich fährt das Auto immer noch. Nicht mehr ganz so schnell wie zuvor, weil majestätisch ausgebremst. Corona, die mikroskopische Queen, regiert jetzt weltweit. Und nun überlegen die Insassen in dem Auto Menschheit, wie sie diese Krone linker Hand liegen lassen und möglichst schnell rechts umfahren können – direkt auf die Wand zu.

Das Gebot der Stunde wäre, anzuhalten, auszusteigen und zu Fuß weiterzugehen. Oder ein Fahrrad zu nehmen.

Was geschieht wohl, wenn wir uns weigern?

Womöglich erklingt dann Simon & Garfunkels “The sound of silence” in einer modernen Version: “Hello darkness, my old friend …”

Die Zivilisation, so wie wir sie hatten, beschleunigt auf Hochgeschwindigkeit, fährt unsere Zukunft an die Wand – wenn wir nicht aussteigen. Jetzt, nachdem wir durch die virale Verlangsamung gelernt haben, dass das geht.

Dies ist die Chance dieser Tage. Ja, ich bin optimistisch, dass es eine Zeitenwende ist.

Umso mehr, als wir uns dessen bewusst sind.

Bleiben Sie gesund! Alles Liebe!

Ihr – Otmar Jenner

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I wie Impfen

By Food for thought

In den Zeiten an- und abschwellender viraler Erregung gerät Manches in Vergessenheit, wird Einiges verzerrt. Beispielsweise die sogenannte Impfdebatte. In den Foren läuft sie gerade heiß. Daher ein paar Fakten und Überlegungen dazu.

Kurz vor der Jahrtausendwende gelang kanadischen Mikrobiologen ein bahnbrechendes Experiment. Die Wissenschaftler entnahmen dem hochgefährlichen Ebola-Erreger einige Gensequenzen und fügten diese in den Code eines vormals harmlosen Virus ein. Mit diesem genetisch veränderten Virus infizierten sie Mäuse. Die Wissenschaftler erwarteten, dass die Tiere sterben. Taten sie aber nicht. Tatsächlich waren die infizierten Mäuse nun gegen Ebola immun.
2005 resultierte aus dieser Forschung ein Impfstoff gegen Ebola. Doch weil es zu der Zeit keinen Ebola-Ausbruch gab, ruhte die weitere Entwicklung. Bis 2013. Dem Jahr, in dem in Guinea, Liberia und Sierra Leone die Seuche erneut ausbrach. Dieser bisher massivste Ausbruch von Ebola (an dem mehr als 11.000 Menschen starben) wäre wohl zu verhindern gewesen, wenn die Weiterentwicklung des Impfstoffes zeitig vorangetrieben worden wäre.

Die Entwicklung eines Vakzins kostet Zeit. Nach erfolgreichen Tierversuchen beginnen Tests an Menschen. Sie werden in drei klinische Phasen unterteilt.
In der Phase I wird einer kleinen Gruppe von jungen und gesunden Personen der Impfstoff verabreicht, um die generelle Verträglichkeit zu prüfen.
In Phase II nimmt eine deutlich größere Gruppe von Probanden teil. Diesmal auch Personen mit ausgewählten Vorerkrankungen, einer Immunschwäche etwa, sowie ältere Menschen. Wieder soll die generelle Unbedenklichkeit des Impfstoffs nachgewiesen, darüber hinaus aber auch eine Immunreaktion ausgelöst und die Dosierung getestet werden. Außerdem wird die Wirksamkeit des Wirkstoffs in einem Doppelblindversuch überprüft. Dafür bekommt eine Gruppe den Impfstoff verabreicht und eine zufällig ausgewählte Kontrollgruppe ein Placebo.
In der Phase III dann wird der Wirkstoff an mehreren hundert bis tausend Probanden getestet. Wieder soll die Wirksamkeit bestätigt werden. Auch im Vergleich zu möglicherweise anderen, bereits vorhandenen Impfstoffen. Wieder werden zusätzliche Doppelblindversuche durchgeführt.

Phase I dauert mindestens 3 Monate. Phase II und III zusammengenommen mehr als ein Jahr. Bis 2013 und dem Ausbruch von Ebola. Der Impfstoff gegen Ebola durchlief innerhalb von nur 10 Monaten die Phasen I bis III und war ab mitte 2015 für den weltweiten Einsatz zugelassen.

Was könnte dies für Impfungen gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 bedeuten?

An über 86 Impfstoffen zur Bekämpfung von Covid-19 wird derzeit geforscht. Einem chinesischen Biotech-Unternehmen gelang es in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Militär bereits, einen Wirkstoff in der Phase I so erfolgreich zu testen, dass die Phase II beginnen kann. Für diese Phase werden derzeit Freiwillige in Wuhan gesucht. Amerikanische und britische Einrichtungen testen Wirkstoffe in der Phase I. Ebenso das Mainzer Unternehmen Biontech. Mediziner und Mikrobiologen diskutieren nun, ob die Testphasen abgekürzt werden könnten, indem etwa gesunde, mit einem „Test“-Wirkstoff geimpfte Freiwillige absichtlich einer Infektion mit SARS-CoV-2 ausgesetzt werden.

Welcher Wirkstoff schließlich das Rennen macht, bleibt abzuwarten. Möglich wäre ein abgeschwächter Lebendimpfstoff (wie der gegen Mumps, Masern, Röteln), ein (inaktiver) Totimpfstoff (wie der gegen Kinderlähmung oder saisonale Grippe) oder ein Impfstoff aus Antigenen (wie der gegen Hepatitis-B).
Die chinesischen Forscher testen einen Totimpfstoff. Das amerikanische Biotech-Unternehmen Codagenix forscht an „veränderten“ Lebenderregern. Ebenso das Jenner Institute im britischen Oxford. Der dort entwickelte Impfstoff hAdOx1 nCoV-19 soll nach erfolgreichen Tierversuchen nun an 6.000 Personen getestet werden. Zeitgleich hat Adar Poonawalla, Inhaber und Leiter des Serum Institute of India, einer der weltweiten Großproduzenten für Impfstoffe, bekannt gegeben, hAdOx1 nCoV-19 trotz fehlender staatlicher Freigabe auf eigenes Risiko in die Massenproduktion zu geben und bis zum September diesen Jahres 40 bis 50 Millionen Dosen davon herzustellen.

Tot- wie auch Lebendimpfstoff in den weltweit notwendigen Mengen zu produzieren, überfordert derzeit allerdings die verfügbaren Herstellungskapazitäten.

Umso mehr ruhen die Hoffnungen auf Covid-19-Antigenen. Bis vor wenigen Jahren konnten sie ausschließlich aus Blut gewonnen werden. Heute ist eine Großproduktion mittels Gentechnik möglich. Mit dieser Variante ließe sich wahrscheinlich innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ein Impfstoff in den weltweit erforderlichen Mengen herstellen. Auf diesem Weg sind die Mainzer mit einem RNA-Impfstoff.

Selbst die optimistischste Variante kostet Zeit. Noch knapp 18 Monate bis zur Bereitstellung für den weltweiten Bedarf, prognostiziert die Bill und Melinda Gates-Stiftung, die Milliarden von US-Dollars für Impfkampagnen ausgegeben hat. Also bis zum Ende des nächsten Sommers. Doch schon jetzt warnen Impfgegner davor. Petitionen gegen eine staatlich verordnete Impfpflicht werden in Rundmails verschickt. Ob ich unterschreiben will?

Ich verstehe die Vorbehalte gegen eine Impfpflicht.

Erstens, weil angeordnete Impfungen ganzer Bevölkerungen einen gravierenden Eingriff in das individuelle Selbstbestimmungsrecht wie auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit bedeuten und somit als Verletzung des 2. Artikels des Grundgesetztes angesehen werden können.
Zweitens, weil Impfungen das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen beinhalten. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich. Was für den Einen gut verträglich ist, kann sich für den Anderen als leidvoll erweisen. So gut geprüft ein Mittel auch sein mag – ein Restrisiko bleibt. Bei aller Hoffnung auf einen erlösenden Impfstoff gegen das neue Corona-Virus – mögliche Nebenwirkungen sind ein Dämpfer.

Dann also doch eine Unterschrift unter die Petition, könnte man jetzt denken: Nein zur Impfpflicht für alle!

Ich kenne Heilpraktiker, die sich vehement dafür einsetzen. In ihren Praxen behandeln sie Patienten, die unter den Folgen von Impfungen leiden, manche davon schwerwiegend.
Befürworter einer Impfpflicht, gegen Masern etwa, streiten dies nicht ab, betonen aber, dass die Bevölkerung insgesamt, wenn auch nicht zu hundert Prozent, von den Impfungen profitiert.

Angenommen, Menschen wären Computer und SARS-CoV-2 wäre ein Computervirus – klar würden wir uns durch Antivirensoftware schützen, klar würden wir die Virusdefinitionen ständig updaten, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, und Firewalls gegen Ansteckung würden wir sicherheitshalber auch errichten. Kaum jemand würde ernsthaft raten: Lasse all das besser weg, damit es dir besser geht. Bleibe ganz offen und ungeschützt. Das ist deine gesündeste Wahl.

Falls Covid-19 eine systemische Erkrankung ist (wofür aktuelle Untersuchungen sprechen), denn das neue Coronavirus greift beispielsweise auch die Gefäße an (was Multiorganversagen in dem Zusammenhang besser erklären würde),
– dann wäre der Vergleich mit einer „gewöhnlichen“ Grippe irreführend.
– dann ist der Erreger SARS-CoV-2 ein ernstzunehmenderer Angreifer gegen das Betriebssystem Mensch und Menschheit.
– dann wäre eine möglichst effektive wie auch schnelle weltweite Eindämmung ratsam (mit Ausnahmeregeln für besonders belastete Personen, die auf einen Impfstoff allergisch reagieren könnten).

Der englische Arzt Edward Jenner erfand 1796 die Impfung gegen Pocken und beendete damit eine rund 3000-jährige Leidensgeschichte. Inzwischen gelten die Pocken als weltweit ausgerottet. Den Sinn dieser Impfung rückblickend anzuzweifeln, würde wohl kaum jemandem einfallen. Segensreich wäre es, die Welt auch von Malaria, dem Denguefieber, Hepatitis und HIV zu befreien.

Mit der Erderwärmung und damit einhergehenden Verschiebungen von Klimazonen werden sich alte und neue Erreger und Krankheiten ausbreiten, nehmen Krisenforscher an. Diese Gefahr wird jenseits des Fachpublikums kaum wahrgenommen. Sowenig, wie anfänglich auch der Ausbruch von Covid-19 in China im westlichen Teil der Welt.

Ich habe mich noch nie gegen Grippe impfen lassen. Gegen das neue Coronavirus würde ich mich impfen lassen (sofern bei mir dann noch keine Antikörper nachweisbar sind). Allein schon, weil eine Impfung nicht nur mich schützen würde.

Überlegungen aus der Innerlichkeit, aufgehellt durch einen selten klaren Himmel über Berlin und spürbar sauberere Luft.

Alles Liebe! Bleiben Sie gesund!

Ihr – Otmar Jenner

Quelle: The Economist u.a.

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Schöne neue Monarchie

By Food for thought

Die Krönung hat stattgefunden. La corona (Italienisch/Spanisch/Katalanisch) – die Krone, sie sitzt und passt irgendwie. Zunehmend auf mehr Köpfe der Menschheit. Und die ganze Welt trägt mit. An den Folgen jedenfalls.

Doch ist die Welt nun König und die Menschheit die Königin?

Das darf bezweifelt werden. Für eine gewisse Zeit schien es, als hätte sich der Virologe Christian Drosten vom Robert-Koch-Institut selbst zum Herrscher der Deutungshoheit gekrönt. Dann wurde ihm die Bürde wohl zu schwer und er reichte die Krone an die Kanzlerin weiter. Die regiert nun mit Direktiven wie eine Königin, möchte aber nicht als Hoheit angesprochen werden. Will ja als eine aus dem Volk erscheinen.

Eine seltsame Zeit, in der eine Krönung stattgefunden hat, aber die royalen Verdächtigen nicht König oder Königin genannt werden wollen und auch nicht als solche in Erscheinung zu treten wünschen. Eine seltsame Zeit, die offiziell noch als Demokratie mit vorübergehenden Beschränkungen bezeichnet wird, obgleich womöglich schon eine Form von Feudalismus herrscht.

Das Logo der mexikanischen Corona-Brauerei. Passt so gut zum Text, dass ich es hier verwenden musste. Das Bier kann aber nichts für das Virus. Schmeckt umso köstlicher in diesen königlichen Zeiten.

Aber nein, mein Lieber!, höre ich schon den Widerspruch. Wie kannst du so etwas sagen? Ist zu streng formuliert und geht an der Sachlage vorbei. Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, hier herrscht eine Krise, kein Feudalismus. Die Sache mit der Krone ist reine Wortklauberei!

Könnte man meinen. Allerdings sind sich derzeit Protagonisten einig, die sonst bis zum Heftigsten zerstritten sind. Der Iran mit Israel und den USA. Länder wie China, Russland, Marokko, Jordanien, Saudi Arabien, Irak mit Deutschland, Italien, Spanien, England, Australien, Neuseeland. Denn all diese Staaten, autoritär regierte wie demokratisch-administrativ geführte, haben die Freiheit ihrer Bevölkerungen drastisch eingeschränkt. Erhöhte Polizeipräsenz wacht über die Einhaltung der angeordneten Restriktionen. In manchen Ländern ist zusätzlich das Militär aufgefahren. Die Angelegenheit riecht nach einer wahrhaft königlichen Einigung und Vereinigung.

Wer in Deutschland von einem Bundesland in ein anderes reisen will (etwa von Mecklenburg-Vorpommern nach Schleswig-Holstein), dort aber nicht wohnt, wird derzeit (noch) aufgehalten und zur Meldeadresse zurück geschickt, wenn kein triftiger Grund zur Weiterreise vorliegt. Das muss man erlebt haben, um zu wissen, wie es sich anfühlt.
Zwar wird diese strenge Praxis in den kommenden Wochen gelockert werden, doch bedeutet das noch längst keine Rückkehr zu der Zeit vor Covid-19.

Und Demonstrationen gegen diese königlichen Gebote? Öffentliche Versammlungen als gemeinsamer Ausdruck von Protest?
Weil Zusammenkünfte von mehr als zwei Menschen, die nicht Teil einer gemeinsam lebenden Familie sind, derzeit verboten sind, waren auch Demos per Notstandsgesetz untersagt. Bisher. Ein Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht hatte Erfolg.
Doch bedeutet dies, dass sich in der nahen Zukunft Tausende von Menschen vorm Reichstag einfinden können, um gegen politische Entscheidungen zu protestieren?
Eher nicht. Ein kleines Häufchen von fünfzig, vielleicht auch hundert Personen wird wohl das Recht zu öffentlichen Unmutsäußerungen zugestanden werden. Doch bedeutet dies eine Rückkehr zur funktionierenden Demokratie?
Um der Weiterverbreitung von Covid-19 zu begegnen werden immer größere Teile der Bevölkerung getestet. In Kombination mit Smartphone-Apps, die Bewegungsprofile liefern, erlaubt dies zunehmend genauere Aussagen über den Fortgang der Pandemie. Dies ist aus epidemiologischer Sicht sinnvoll, wenn nicht notwendig. Aber es steht im Widerspruch zur Demokratie. Oder habe ich da etwas missverstanden?

Genau: Es hat eine Krönung stattgefunden.

La corona, die Krone wird nun ständig weitergereicht. Von einem zum nächsten, schneller und noch schneller. Doch wer hält bei diesem Gewusel eigentlich das Zepter in der Hand? Amazon-Gründer Jeff Bezos? Microsoft-Gründer Bill Gates? Die Inhaber von Netflix? Mark Zuckerberg mit Facebook? Der Konzern Apple? Der US-Pharma-Rise Johnson & Johnson? Sein Konkurrent Pfizer?

Sie halten ihre Hand jedenfalls weit auf. Doch sind sie als Krisengewinner die eigentlichen Dirigenten? Jeder von ihnen trägt ein Zepter. Die Krone wollen sie nicht. Die wird weitergereicht. Weiter und immer weiter. Vielleicht gehört sich das so in dieser neuen schönen Monarchie.

Genießen Sie die königliche Ruhe! Bleiben Sie gesund!

Ihr – Otmar Jenner

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