Trauma & Traumaablösung 6.

By Nachrichten

Der Schutzraum besteht, denn Therapeuten/innen (T) haben ihre Haltung gegenüber Klienten/innen (K)  wie bereits beschrieben geklärt (Abstinenz, Gleichschwebende Aufmerksamkeit, Geschlechtsneutralität, kein emotionales Eigeninteresse).

Nun zum Ablauf einer Sitzung mit Traumaablösung.

A. Der Weg dahin im Vorgespräch:

  1. K hat ein Problem und berichtet davon. Der Grund nämlich, warum K überhaupt in die Praxis von T kommt.
  2. Da nicht alle Probleme auf Traumatisierungen beruhen, ist T gefordert, im Gespräch mit K herauszufinden, ob dessen (wie auch immer geartetes) Problem die Folge einer Traumatisierung ist.  Wenn ja besteht die Möglichkeit einer kürzlich gemachten Erfahrung von Horror, also nicht integrierten Entsetzens, oder die Möglichkeit einer weit zurückliegenden seelischen Verletzung (vielleicht in der Kindheit erlitten).
  3. T fragt K daraufhin gezielt nach einschneidenden, schmerzhaften Erfahrungen (seelischen wie körperlichen).
  4. An Ks Reaktionen (starker emotionaler Ausdruck, drastische verbale Beschreibung oder, im Gegenteil, fast Teilnahmslosigkeit, wie neben sich stehend, Apathie) kann T ablesen, wie gravierend, die von K erlebte Traumatisierungen sind und ob eine Traumaablösung in diesem Fall sinnvoll ist.  
  5. Wenn dies zu Bejahen ist, erklärt T den Sinn einer weiteren Arbeit an diesem Trauma (mit dem Ziel, es aufzulösen / Trauma-Exploration und -Intervention) und beschreibt K das weitere Vorgehen.
  6. Wenn K damit einverstanden ist und dies gegenüber T ausdrücklich erklärt, können die weiteren Schritte der Traumaablösung erfolgen.

B. Weitere Vorarbeit (Ein Anker, ein Trauma, ein Test):

  1. Einen positiven Anker finden: T bittet K, sich an eine sehr schöne Lebenserfahrung zu erinnern, also an einen Moment der Freude und Kraft.
  2. T bittet K, diesen Moment sehr genau zu beschreiben und sich dabei szenisch in Erinnerung zu rufen (wie in einem Kurzfilm): der positive Anker.
  3. Auch T speichert den positiven Anker in seinem Gedächtnis, um ihn jederzeit bei K setzen zu können. Dann nämlich, wenn das Rekapitulieren negativer Erfahrungen bei der Traumaablösung K zu überfordern scheint und die Behandlung zu entgleisen droht (was ich selbst bei keiner derartigen Behandlung bisher erlebt habe, aber dennoch für möglich halte).
  4. Das Trauma isolieren: T kommt nun auf die bereits von K erwähnten einschneidenden und schmerzhaften Erfahrungen zurück und bittet K, die schmerzhafteste zu benennen.
  5. Kinesiologische Testung des Traumas: T bittet K, sich hinzustellen und den linken Arm auszustrecken. T drückt nun für 2 bis 3 Sekunden mit zunehmender Intensität auf Ks Handgelenk und bittet K, dagegen zu halten. Es geht nicht darum, wer der Stärkere ist, sondern vielmehr um die muskuläre Antwort von K auf den steigenden Druck, den T ausübt. T merkt sich Ks Impuls.
  6. Nun spricht T zu K: „Ich kann mit Dir testen.“ Und wiederholt den Druck auf Ks Handgelenk am ausgestreckten Arm. Ks Impuls darf nicht deutlich schwächer ausfallen, denn das wäre ein Nein.
  7. In dem Fall müsste das Verfahren einige Minuten später wiederholt werden, dann an Ks anderem, also dem rechten Arm.
  8. Falls eine weitere Testung jedoch sofort möglich ist, sagt T zu K: „Ihr Trauma ist zu über 50 Prozent aktiv“.
  9. Falls K daraufhin kraftvoll dagegen hält, was einem Ja entspricht, so wiederholt T die Testung bei K, sagt nun aber: „Ihr Trauma ist zu über 70 Prozent aktiv.“ Falls daraufhin wieder ein Ja kommt, kann die Testung mit „90 Prozent“ wiederholt werden. Falls bereits „50 Prozent“ schwach beantwortet wurden, also mit einem Nein, wäre herauszufinden, ob es ein Wert über oder unter 30 Prozent ist. Denn unter 30 Prozent ist so schwach, dass diese „Resttraumatisierung“ womöglich nicht mit einer Traumaablösung in zu lösen ist.
  10. Für die weitere Arbeit am Trauma ist es notwendig, dass T wie auch K den getesteten Aktivwert des Traumas im Gedächtnis behalten, um später den Behandlungserfolg bemessen zu können (auch wenn gar nicht vollständig beschreibbar ist, was genau dieser Aktivwert eigentlich bemisst, denn er ist eine Größe des Unterbewusstseins).
  11. Da Exploration und Intervention bei der Traumaablösung mechanische Aspekte beinhalten, müssen spätestens jetzt mögliche medizinische Ausschlusskriterien für eine derartige Behandlung erhoben sein: eine Neigung zu Glasknochen etwa oder Osteoporose, eine Tumorerkrankung im Bauch oder Brustraum, Herzschrittmacher, etc. Dann müsste C ausgelassen werden und mit der Verfahren unter D weiter gearbeitet werden. 

C. Exploration und Intervention auf der Behandlungsliege: Also für K im Liegen, während T an einer Seite sitzt (idealerweise auf einem Rollhocker wie ihn Orthopäden benutzen). Denn es nähert sich der Moment der eigentlichen Prozedur der Traumaablösung. Sämtliche gleich erfolgenden Schritte sollten K zuvor jedoch knapp und präzise erklärt werden.

  1. Sobald K ausgestreckt mit dem Rücken auf der Behandlungsliege liegt (und der weitere Ablauf kommuniziert ist), platziert T die eine Hand auf Ks  Brustbein (Herzchakra) und die andere Hand auf Ks Bauch (Solarplexus). Wie gesagt: so positioniert, dass die Fingerspitzen von Ts Hand auf dem Herzchakra direkt nach oben, also in Richtung von Ks Kopf weisen, während Ts Hand am Solarplexus so liegt, dass die Fingerspitzen zu einer Körperseite weisen, nicht aber in Richtung der Füße von K. Diese Positionierung der Hände ist wichtig, um eine mögliche Ausrichtung auf Geschlechtsteile zu vermeiden. Falls K weiblich ist und T männlich, kann auch K ihre Hände an den entsprechenden eigenen Körperstellen auflegen, woraufhin T seine Hände dann auf Ks legen würde. Ks Hände würden damit eine Art Puffer bilden (was für Frauen gegenüber männlichen T oft als Schutz empfunden wird. Zur Erinnerung: Der Schutzraum im Sinne von belastbarer Vertrauensbildung ist zentral wichtig für den Erfolg einer Behandlung).
  2. T bittet K nun, beide Augen zu schließen und sich möglichst genau an die erlebte und erlittene Traumatisierung zu erinnern (visuell, akustisch, olfaktorisch, taktil. Kurz: sichtbar, hörbar, riechbar, fühlbar) und dabei tief ein- und auszuatmen.
  3. T folgt mit seinen Händen dem Heben und Senken von Ks Brustkorb während ein, zwei von Ks Atemzügen, um sich dann auf Ks Ausatmen zu konzentrieren und langsam einen wachsenden Druck auf Ks Brustkorb und Bauch auszuüben.
  4. T hat womöglich das Empfinden, K im Innersten zu berühren, als würden Ts Hände in Ks Körper hinein wandern, um dort einen tief verborgenen Schmerz zu greifen. Ich behaupte: Ein solches Empfinden ist bei dieser Methodik keinesfalls so irrational wie es klingt, sondern durchaus plausibel. Denn durch die absichtsvolle und bewusste Erinnerung von K an eine tief sitzende Verletzung und die hinzukommende Absicht von T, genau diese Verletzung, nun wahrscheinlich auch von T spürbare innere, nämlich charakterpanzerliche Verhärtung von K, zu lösen – genau dadurch ergibt sich die sogenannte Exploration des Traumas. Nämlich die Möglichkeit, dieses direkt zu spüren. T wird dabei wahrscheinlich eine Art Kribbeln in den Händen wahrnehmen. Doch sollte dies für T nicht wahrnehmbar sein, so bedeutet das nicht, dass das Verfahren für T als Ausführenden nicht geeignet ist.
  5. Im Moment größter Intensität, was auch einen erhöhten mechanischen Druck und den Moment Intervention bedeutet, hebt T beide Hände vom Körper von K und klatscht einmal oder mehrmals in die Hände. Dies ist ein Signal an das Unterbewusstsein von K. Es bedeutet: Jetzt ist es vollbracht, das Trauma gelöst. Das Händeklatschen kann so laut sein, dass sich K leicht erschrickt. Auch wenn dies nicht als angenehm empfunden wird, so ist es doch hilfreich. Denn umso tiefer findet die Traumaablösung Eingang ins Unterbewusstsein.
  6. Gleich darauf macht T mit einer oder beiden Händen eine Streichbewegung etwa 10 bis 20 Zentimeter oberhalb von Ks Körper. Beginnend am Solarplexus in Richtung Kopf und bis über den Kopf hinaus. Auch wenn es seltsam klingt: Damit streicht T die Trauma-Energie aus dem Körper von K. Unbedingt: ohne die geringste körperliche Berührung.
  7. Gerade jetzt sollte K die Augen unbedingt geschlossen halten. Ein Öffnen der Augen würde K  durch Außenwahrnehmung von der Innenwahrnehmung ablenken wodurch der Release-Effekt der Traumaablösung womöglich übersehen oder  vielmehr „überfühlt“ werden würde. Sollte der Release-Effekt von K nicht sofort wahrgenommen werden, so bedeutet das nicht, dass die Traumaablösung misslungen ist. Der Release-Effekt kommt häufig in Wellen. Bei einigen Menschen in sanften Wellen, bei anderen machtvoll. Bei manchen so machtvoll, dass K Angst bekommt und T beruhigend auf K einreden sollte.
  8. Falls beruhigendes Zureden nicht hilft, sollte der Anker gesetzt werden. T erinnert K dann an den Anker und bittet K, für einige Minuten an nichts anderes mehr zu denken als an diese schöne Vorstellung.
  9. Der Release-Effekt ist am treffendsten als Energiewelle beschreibbar. Von K selbst spürbar, aber auch von T wahrnehmbar. Als Energiewelle, die von K ausgehend in Ts Feld (Aura) rollt, schwappt, strömt und sich bei jeder Traumaablösung unterschiedlich anfühlt. Hin und wieder kommt die Welle mit einer Verzögerung, tritt also der Release-Effekt erst nach ein, höchstens zwei Minuten ein. Es gilt für T also diese Zeit abzuwarten.
  10. Ohnehin ist es hilfreich, wenn K nach der Prozedur der Traumaablösung (Trauma-Exploration und -Intervention) einige Minuten ungestört ruht.

D. Stimulierung der Hirn-Hemisphären und Trauma-Release-Add-On durch geleitete Augenbewegung: T hilft K nun, sich von der Liege aufzurichten und in eine sitzende Haltung zu begeben. Entweder auf einen bereit stehenden Stuhl oder seitlich auf die Behandlungsliege, T zugewandt.

  1. T bittet K nun, mit den Augen auf die Fingerspitze seines Zeigefingers zu blicken (ob hierbei der Finger von Ts rechter oder linker Hand zum Einsatz kommt, spielt keine Rolle). Daraufhin hebt T die Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger so vor Ks Gesicht, dass K etwa aus einer Entfernung von 50 bis 80 Zentimetern auf Ts Fingerkuppe blicken kann.
  2. T bittet K nun, nochmals an das eben abgelöste Trauma zu denken (ohne jedoch in die Vorstellung davon im Sinne szenischen Erlebens einzutauchen).
  3. Um direkt nach dieser Erklärung mit dem Zeigefinger vor Ks Gesicht eine liegende Acht in die Luft zu zeichnen. Wieder und immer wieder. Etwa für die Dauer von einer Minute bis eineinhalb Minuten. So große Achten, also mit einer so weiträumigen Bewegung von T vor Ks Augen, dass Ks Augen an die äußersten Blickränder wandern, nicht aber darüber hinaus, damit K der Fingerbewegung von T mit beiden Augen folgen kann. Und gerade so schnell, dass bei K keine ruckartigen Augenbewegungen auftreten, sondern ein gleichmäßig wanderndes Nachblicken möglich ist. Der Sinn dieser wahrscheinlich seltsam anmutenden Handlung von T: Durch die Verknüpfung beider Augen mit unterschiedlichen Hemisphären des Gehirns werden die linke und die rechte Hirnhälfte harmonisiert. Weil eine Traumatisierung nicht in beiden Hemisphären gleichermaßen bewahrt wird und damit aktiv bleibt, sorgt die so geleitete Augenbewegung für ein Abfließen eines destruktiven Gedächtnisstaus auf einer Seite (wahrscheinlich der rechten Hirn-Hemisphäre – doch dies ist noch zu unzureichend erforscht, um als faktisch zu gelten).
  4. Dann lässt T die Hand sinken und fragt K nun nach aktuellen Empfindungen, das eben gelöste Trauma betreffend. Mögliche Antworten von K: „Fühlt sich etwas besser.“ – „Fühle mich erleichtert.“ – „Da hat sich was gelöst.“ – „Ein Stein ist weg.“ – „Fühle mich viel weicher.“ – „Kann nicht genau sagen, was ist. Fühlt sich aber anders an.“ – „Weiß nicht, kann’s nicht einschätzen.“
  5. In jedem Fall wiederholt T nun das in Punkt 3 (D) beschriebene Malen der Acht vor Ks Gesicht. Und im Anschluss Punkt 4 (D). Insgesamt wird dies fünf bis sieben Mal so praktiziert.
  6. Danach braucht K eine Pause von bis zu fünf Minuten Länge.

E. Abschließende kinesiologische Testung der verbliebenen Trauma-Aktivität:

  1. Weiter wie in B 5 bis 9 beschrieben.
  2. Wenn der „Aktivwert“  des abgelösten Traumas nun noch 30 Prozent übersteigt, sollte eine weitere Folge-Sitzung zu einem späteren Termin vereinbart werden, um das gesamte, bis hierhin beschriebene Verfahren zu wiederholen.

F. Abschließendes Gespräch: K zieht eine Bilanz der Erfahrung, beschreibt die gegenwärtige Stimmung. T gibt seinerseits ein Feedback und teilt eigene Eindrücke mit, sofern sie in einem direkten Zusammenhang zur geleisteten therapeutischen Arbeit stehen.

Sämtliche, in diesem Artikel dargestellten Aspekte werden in weiteren Artikeln ausführlich und vertiefend beschrieben.Bleiben Sie weiter dran!

Ihr – Otmar Jenner

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Trauma & Traumaablösung 5.

By Nachrichten

Für das Verständnis der nun erfolgenden Darstellung des von mir entdeckten Verfahrens der Traumaablösung bedarf es eigentlich keiner weiteren Vorbildung. Doch ist medizinisches Vorwissen ebenso hilfreich wie Kenntnisse in der Psychologie nützlich sind. Da das Verfahren manuelle Aspekte hat, ist es für Therapeuten/innen (abgekürzt: T) nur unter bestimmten Voraussetzungen anwendbar. Heilpraktiker für Psychotherapie dürfen es (nach meinem Kenntnisstand) im Sinne tiefenpsychologisch fundierter Exploration und Intervention anwenden. Exploration und Intervention geschieht bei der Traumaablösung  durch Auflegen der Hände mit den Handflächen an zwei Stellen des Körpers von Klienten/innen (abgekürzt: K).

Die Traumaablösung wird von T im Sitzen oder Stehen praktiziert. K liegt auf dem Rücken, wahrscheinlich auf einer Behandlungsliege, doch ausgestreckt auf dem Boden wäre auch möglich (doch die weitere Beschreibung hier bezieht sich auf eine Position von K auf einer Behandlungsliege).

K liegt also, T sitzt oder steht an einer Seite daneben. T legt bei K nun folgendermaßen die Hände auf: eine Hand am unteren Ende des Brustbeins auf den Brustkorb von K, also auf das Herzchakra, die andere Hand auf den Solarplexus am Bauch von K.

Ob T auf Ks linker oder rechter Körperseite sitzt, dementsprechend Ts rechte Hand oder linke auf Ks Herzchakra liegt und die rechte oder linke auf Ks Solarplexus, ist weniger wichtig als die eigentliche Positionierung der jeweiligen Hand am Körper. Die Hand nämlich, die am Herzchakra aufgelegt wird, wird so positioniert, dass die Fingerspitzen direkt nach oben, also in Richtung des Kopfes von K weisen. Und im Gegensatz dazu wird die Hand am Solarplexus so aufgelegt, dass die Fingerspitzen zu einer Körperseite weisen, nicht aber in Richtung der Füße von K (dies ist wichtig – warum genau werde ich später ausführlich erklären).

Mit dieser Berührung an den genannten zwei Stellen bei K kann T den Charakterpanzer von K nun direkt und gut erreichen. Exploration und Intervention einer von K erlebten Traumatisierung sind jetzt möglich. Glückt dies, so ist der daraus resultierende Effekt als Release (Erleichterung, Befreiung, Loswerden einer Last)  beschreibbar.

Wilhelm Reich zufolge entwickelt sich die charakterliche Panzerung eines Menschen durch schmerzhafte Erfahrungen in der Kindheit und daraus resultierenden Widerstand und eine Einschränkung in seiner Fähigkeit zur Hingabe. Kein Wunder: Hingabe im Sinne von Öffnung ist mit dem Risiko weiterer Verletzung verbunden. Das wussten schon die Ritter, als sie eingepfercht in ihre Metallpanzer durchs Mittelalter krauchten. Das Ablegen des Panzers ist demnach eine Befreiung. Doch zur falschen Zeit und am falschen Ort womöglich eine Verderben bringende.

Auch für das Ablegen von charakterlichen Panzerungen braucht es geeignete Vorraussetzungen. Erstens die Erkenntnis, dass diese Panzerung hinderlich geworden ist, also nicht weiter sinnvoll ist und ihr Gewicht damit untragbar wird. Zweitens die Zuversicht, dass ein Ablegen des Panzers nicht mit einer besonderen zusätzlichen Gefährdung verbunden ist.

Punkt zwei betrifft bereits die Behandlung selbst. Nicht zuletzt durch das Aufkommen der Frage: Wie vertrauenswürdig ist für mich als K die Person, in deren Hände ich mich gerade begeben habe, also T?

Die Klärung dieser Frage ist von zentraler Wichtigkeit. Der Erfolg einer Sitzung für K hängt nicht zuletzt von der Vertrauenswürdigkeit von T ab.

Daher muss an dieser Stelle an die sogenannte Abstinenzregel von Therapeuten/innen (T) erinnert werden und die von der Psychoanalyse geforderte „gleichschwebende Aufmerksamkeit“ gegenüber Klienten/innen (K). Was das im Sinne des Heilpraktikergesetzes und juristischen Richtlinien für das Verhalten von Psychologen, Ärzten und anderen Akteuren in Heilberufen genau bedeutet, ist auch im Internet vielfach nachzulesen. Auf das Phänomen der Übertragung und vor allem Gegenübertragung möchte ich hier nicht eingehen, weil die beschriebene Traumaablösung zwar ein Vor- und Nachgespräch beinhaltet, jedoch keine Gesprächssituation im Sinne einer Analyse. Doch kurz und deutlich gesagt: T sollte K geschlechtsneutral begegnen. Ein wie auch immer geartetes emotionales Eigeninteresse von T gegenüber K  verbietet sich. Das gilt besonders für männliche T gegenüber weiblichen K. Übergriffigkeit jeglicher Art seitens T gegenüber K ist ein Straftatbestand. Das ist an dieser Stelle gar nicht deutlich genug zu betonen.

Nur wenn T in dieser Angelegenheit vollkommen klar ist, kann dieser besonders geschützte Therapieraum eröffnet werden, der das Ablegen des charakterlichen Panzers ohne zusätzliche Gefährdung ermöglicht. Ich gehe daher für die weitere Darstellung davon aus, dass dieser Aspekt nun geklärt ist und somit ein Schutzraum besteht.

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Ihr – Otmar Jenner

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Trauma & Traumaablösung 4.

By Nachrichten

Ein Unternehmer in Insolvenz. Sein Verwalter überbringt fast täglich neue Schreckensmeldungen.  Das Gefühl, sich langsam aufzulösen. Zerbröselndes Leben. Horror in Raten.
Ein Soldat mit Kriegserfahrungen im Irak. Besonders schrecklich: die eigenen Taten.
Oder die Krankenschwester, deren Partner auf einem Zebrastreifen von einem Auto erfasst wird. Dass sie einige Schritte hinter ihm geht, rettet ihr Leben, nicht ihre Psyche.
Oder eine Entbindung zum Jahreswechsel. Weil das Krankenhauspersonal schon in den Feiermodus eingetreten ist, muss die wertende Mutter warten. Das Gefühl, im Gang zum Kreissaal von Wehen zerrissen und gesprengt zu werden.
Oder das Ehepaar, dessen einziger Sohn sich das Leben nimmt. Vielleicht der größte Schrecken überhaupt. Ein Trauma.

Die Folgen einer traumatischen Erfahrung für das Leben jedes einzelnen Menschen sind unterschiedlich. Bei manchen ist die Erinnerung an das traumatisierende Ereignis eingeschränkt, andere erleben einen Nachhall, auch Flashback genannt. Manche Betroffene haben anschließend Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Andere erleben sich als besonders schreckhaft, leiden unter Schlafstörungen, neigen zu überschießenden Gefühlsreaktionen (erhöhte Reizbarkeit, Wutausbrüchen, Weinkrämpfen) oder fühlen sich von sich selbst entfremdet. Bei einigen Betroffenen treten alle Folgesymptome auf, bei anderen nicht. Bei manchen verblassen die Symptome nach einigen Wochen, verschwinden schließlich ganz. So dass Medizin und Psychologie nicht von einer dauerhaften Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sprechen würden.

Doch ob schnell verblassend oder langsam, eine spürbar beeinträchtigende Nachwirkung oder nicht wahrnehmbarere Folgen – Erfahrungen von Horror graben sich tief ein in die Psyche eines Menschen. Sie klemmen dann im Gebälk der Seele und sitzen den Betroffenen tatsächlich in den Knochen.

Der zu Lebzeiten heftig angefeindete Arzt, Psychologe und Soziologe, Wilhelm Reich, prägte den Begriff „Charakterpanzer“, um damit die Summe der Abwehrmuster eines Menschen als Folge seiner Biographie zu bezeichnen.

Auch ich gebrauche diesen Begriff – jedoch mit einem besonderen biologischen Fokus. Nach meiner Erfahrung bildet sich der Charakterpanzer eines Menschen durch die jeweils erlebten Traumatisierungen, die zwar im Gehirn gespeichert werden, darüber hinaus aber auch im Muskelgedächtnis. Letzteres als besondere Muster von Verhärtungen, die durch gewisse Verfahren aufgelöst werden können – vereinfacht gesagt.

Biodynamische Körpertherapie nach Gerda Boyesen ist beispielsweise eine Methode, die durch eine manuelle Arbeit am Körper des Klienten (Massage ähnlich) seinen Charakterpanzer erreicht und tiefenpsychologisch wirksam auf ihn einwirken kann. Uralte Blockaden können damit gelöst werden. Doch das ist ein sehr zeitaufwendiger Vorgang, der viele Sitzungen erfordert.

Auf wenn die New Yorker Biochemikerin Ida Rolf nur an die Aufrichtung des Menschen gegenüber der Schwerkraft dachte, als sie das Verfahren der Strukturellen Integration entwickelte – die später Rolfing genannte Methode hat ebenfalls eine sehr heilsame Wirkung auf den Charakterpanzer.

Unter anderem von diesen Methoden inspiriert, bereichert durch den energetischen Methodenkatalog der Genesungskunde insgesamt, entwickelte ich vor rund zehn Jahren meine Methodik der Traumaablösung. Ein Verfahren, das unmittelbar am Charakterpanzer ansetzt und auch genau dafür gemacht ist.

Sehr vielen Menschen sitzen sehr belastende Erfahrungen in den Knochen. Diese Lasten möglichst vollständig aufzulösen oder wenigstens zu lindern – dafür hat sich die Traumaablösung als sehr wirksam erwiesen. 

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Ihr – Otmar Jenner

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Trauma & Traumaablösung 3.

By Nachrichten

Was auch immer ein Mensch am Anfang seines Lebens erfahren hat – alles Weitere kommt hinzu. Bedauerlicherweise addieren sich in der Psyche eines Menschen bevorzugt negative Erfahrungen. Da summiert sich nicht selten so manches, was sich später als wirklich schlimm erweist. Womöglich bebt die Innenwelt eines Menschen als Folge davon, vielleicht gerät seine Welt ins Wanken, vielleicht werden seine innersten Überzeugungen sich selbst und andere betreffend angekratzt, vielleicht entwickelt die belastete Person eine gestörte Beziehung zu sich selbst.

Und wenn dann noch eine weitere Schwelle überschritten wird, gerät die Welt womöglich ganz aus den Fugen. Die Trennung vom Partner war zu viel, der Tod der Mutter zu plötzlich, die Diagnose zu hart, der Unfall zu unvorhersehbar. Oder Umweltkatastrophen, womöglich Krieg (in Deutschland sind besonders aus Afghanistan und Mali heimkehrende Soldaten betroffen). Wer dabei physisch unversehrt bleibt, also mit dem Leben davon kommt, wird wahrscheinlich von psychischen Folgeerscheinungen eingeholt. Medizinisch PTBS genannt: Posttraumatische Belastungsstörung.

PTBS  ist die Bezeichnung einer Erkrankung der Psyche als Folge von Horror. Wenn Horror ins sprachloses Entsetzen mündet, geht anschließend wenig oder auch gar nichts mehr. Zur Arbeit, Einkaufen, oder überhaupt nur morgens das Bett verlassen – was kürzlich noch gut machbar war, erscheint plötzlich nicht mehr möglich. Das, was man Funktionieren nennen könnte, hat aufgehört zu funktionieren – vereinfacht gesagt. Denn PTBS und die möglichen Begleiterscheinungen sind vielfältig.

Die aktuell in der Psychologie favorisierte Methode zur Therapie von PTBS verbirgt sich in einem weiteren Kürzel: EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing (Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen). Knapp gesagt: Therapeutisch initiierte rechts/links-, links/rechts-Augenbewegungen, die eine beidseitige Stimulation der Gehirnhälften bewirken, somit eine Interaktion der Hirnhemisphären, und – verblüffend einfach – für eine Integration der belastenden Erfahrung sorgen können. Entdeckt von der New Yorker Psychologin Francine Shapiro bei einem Spaziergang durch den Park. Beim Wandern unter Bäumen blicken Menschen nicht starr nach vorn, sondern abwechselnd nach rechts und links – wahrscheinlich ein sehr alter Reflex aus den Frühphasen menschlicher Evolution. Dieser wedelnde Blick hat mehr als nur eine beruhigende Wirkung auf die Psyche – wie Shapiro feststellte und an ersten Probanden ausprobierte. Darunter kriegstraumatisierte Soldaten.

Wie hilfreich EMDR ist, haben inzwischen viele Studie gezeigt. Sehr gut also, dass es dieses Instrument gibt.

Ich selbst nutze seit rund zehn Jahren eine eigene, von mir entwickelte Methode, die Traumaablösung. Ein Verfahren, das am sogenannten Charakterpanzer ansetzt und sich ebenfalls als hochwirksam erwiesen hat. Kürzlich hat eine Psychologin zu mir gemeint: „Das kannst du. Aber können das auch Andere gleichermaßen gut?“
Darauf ich: „Die Traumaablösung ist kein Hexenwerk. Ich habe die Methode in der Ausbildung „Spirituelle Medizin advanced“ vielen Schüler/innen vermittelt. Die arbeiten gleichermaßen wirksam damit“.

Um weitere Zweifel in dieser Richtung zu zerstreuen, werde ich das Verfahren der Traumaablösung in weiteren Beiträgen so genau wie möglich systematisieren. Und, darüber hinaus, mit Grundlagen des EMDR verknüpfen.

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Ihr – Otmar Jenner

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