Die Kraft der Stille

By Donnerstag, der 19. März 2020April 9th, 2020Food for thought

Nur wenige Menschen draußen. Kaum Autos auf der Straße Ungewohnte Stille. Wenn es nicht zynisch klänge: Fast wie Heiligabend in den Stunden vor der Bescherung – so, wie es früher einmal war. Wer sich jetzt noch in der Stadt bewegt, geht zielstrebig, aber ohne erkennbare Hast, doch konzentriert. Blicke gesenkt, wie um auch Augenkontakt zu meiden. Ganz bei sich, in einem Zustand der Verinnerlichung angekommen – könnte man meinen.

Wann ist Bescherung?

Ab 1630 verfielen die Niederländer einem kollektiven Tulpenwahn. Die Zwiebeln wurden zum Liebhaberobjekt. Die Preise stiegen. Angefeuert durch kommerziellen Handel explodierten sie. Und brachen 1637 vollständig ein. Händler rieben sich verwundert die Augen und fragten sich: Worauf hatten wir da gesetzt? Genau: eine Hoffnung, die sich als unbegründet herausgestellt hat. Das Tulpenfieber, die erste geplatzte Spekulationsblase der Weltgeschichte.
Seither blähten sich und platzten weitere fiebrige Blasen. Der Zusammenbruch der Lehmann-Brothers war die Folge einer Blähung, ebenso die aufgebauschte Schweinegrippe- oder SARS-Epidemie.
Wir leben in einer Welt der Blasen. Gerade bläht sich wieder etwas auf, tatsächlich weltweit, und nimmt auf eine atemberaubende Weise Fahrt auf. Folgerichtig in der Twitter-Gesellschaft. Alle zwitschern was, jeder will gehört werden. Das Ergebnis ist ein medialer Tsunami. Nun droht Ausgangssperre.

Ist das die Bescherung?

In Zeiten der Not rücken die Menschen zusammen, heißt es. Das war gestern. In der aktuellen Not sollen die Menschen auseinander rücken. Und das wirkt nicht wie ein heiß ersehntes Geschenk.
„Haltet Abstand!“, mahnen die Virologen und dozieren über die Mathematik der Ansteckung: eine exponentielle Zunahme der Infektion. Nicht aufzuhalten, zu mildern nur durch Verlangsamung, um die Gesundheitssysteme nicht zu überfordern. Eine Kampf auch gegen Kurven und negative Erwartungen.

Keine Ahnung, wie gefährlich das Virus SARS-CoV-2 tatsächlich ist. Darüber streiten sich auch die Mediziner. Unzweifelhaft ist: Sehr viele Menschen fühlen sich in Not. Und dieses Gefühl der Not ist eine Realität. Selbst wenn Angst unangebracht ist – solange sie da ist, ist sie real.

Angenommen, die Ausführungen kritischer Ärzte sind richtig: 10 bis 15 Prozent aller grippalen Infekte sind auf Corona-Viren zurückzuführen und manche Influenza-Wellen der vergangenen Jahre waren viel tödlicher als Covid-19.
Bei der Grippewelle zum Jahreswechsel 2017/2018 starben in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts immerhin 25.100 Menschen. Wenn ich mich richtig erinnere, sind damals allerdings nicht alle Grippalen in die Notaufnahmen gestürmt. So hart das klingt: 2017/2018 wurde also weit weniger Aufhebens um die Möglichkeit des Ablebens durch Grippe gemacht. Die Menschen starben selbstverständlicher, damit auch friedlicher und natürlicher.
Was jetzt zu beobachten ist: Ein technokratisches Auflehnen gegen den Tod. Könnte sein, dass die daran Beteiligten gerade lernen, wie sinnlos und auf Dauer schädlich dies tatsächlich ist. Die Welt im Lockdown. Eine Vollsperrung des täglichen Lebens. An den Folgen wird die Weltwirtschaft jedenfalls noch lange kauen.
Ist das wirklich angemessen?
Angenommen, die kritischen Ärzte habe recht, was wäre die Konsequenz?

Erstens: Alle, die orakelt haben, Corona werde eine der schrecklichsten Epidemien aller Zeiten sein, also eine weltumspannende Pandemie – diese Leute, allen voran die Virologen, können jetzt ja nicht sagen: „Tut uns wirklich leid, wir haben zwar allein durch die Ankündigung dieses Schreckensszenarios Billionen, womöglich Billiarden, an US-Dollars und Euros versenkt, aber, sorry!, ein Irrtum.“
Ein weiterer Nachteil unserer gut vernetzten Zwitschergesellschaft: Wenn ein Irrtum eine gewisse Größe erreicht hat, muss man unbedingt daran festhalten, weil man mit der Wahrheit sonst untergeht. Doch ist die ganze Aufregung ein Irrtum? Geschlossene Grenzen, Quarantäne und sozialer Stillstand – für Nichts?
Das mögen iranische Politiker zunächst wohl auch gedacht haben: Corona? Ein Hype des Westens, die Welle lassen wir besser durchrauschen, verebbt schon von ganz allein. Wenn ich richtig informiert bin, hat sich dies als Fehleinschätzung erwiesen.

Was mich zu Punkt Zwei führt: Dass Zweifel an der angemessenen Einschätzung der Krisen-Handhabung keine Einladung zu verantwortungslosem persönlichem Verhalten sind. Zum Schutz anderer müssen wir jetzt Abstand halten und knappe Ressourcen nicht vorsätzlich weiter verknappen. Der kategorischer Corona-Imperativ.

Das ist es, denke ich, was jeder tun kann. Alles Weitere liegt in einer Art Nebel. Börsen und Börsenprodukte sind inzwischen so kompliziert, dass selbst Insider sie nicht mehr vollständig zu verstehen vermögen. Die Corona-Welle und ihre Begleiterscheinungen sind wahrscheinlich auch so komplex, dass sogar Experten die virale Mechanik im Sinne sozialer Ansteckung und Folgen nicht mehr ermessen können. Daher machen sie irgendwas, um als aktiver Herr der Lage zu erscheinen. Doch dieses Bild ist lediglich vorgegaukelt. Könnte sein, dass sich der Nachhall dieser Erkenntnis als nicht ganz so schöne Bescherung erweisen.
Die Welt, so scheint es, hat eine wachsende Sehnsucht nach Veränderung. Klimawandel, entgleisender Kapitalismus, enthemmter Konsum – wer schimpfte nicht darauf, redete vollmundig über großartige Lösungen und praktizierte doch Ignoranz mittels individueller kleiner Fluchten.
Am Rande der coronaren Erregung tun sich in der Sache vollkommen neue Möglichkeiten auf. Enthemmter Konsum? Derzeit ausgebremst. Kapitalismus? Derzeit auf Crashkurs. Klimawandel? Weil Corona bei uns gelandet ist, bleiben Flugzeuge weltweit am Boden. Wenn das keine CO₂-reduzierende Wirkung hat …
Ich denke, die Sehnsucht nach Veränderung wächst dieser Tage. Könnte sein, dass diese Sehnsucht bald größer ist als die Hoffnung, dass alles beim Alten bleibt.

„Deswegen ist jetzt Corona im Anflug“, hat kürzlich eine Bekannte gemeint.

„Aha?“, erwiderte ich und wies darauf hin, dass in dem Zusammenhang eher von „gelandet“ und „angekommen“ die Rede sein müsse. Den Start der Epidemie hätten wir ja womöglich verschlafen.

„Du bist also auch einer von den Pandemie-Trompetern“, sagte sie daraufhin, lachte und fragte: „Findest du es nicht auffällig? Weltweit werden Menschen immer älter, die Lebensspannen statistisch gesehen immer länger. Die sogenannte Überalterung der Gesellschaft gilt als zentrales Problem von Wohlfahrtsstaaten. Wer soll die Renten der vielen alten Leute bezahlen? Und dann kommt so ein neues Virus und haut wie auf Bestellung bei den Senioren rein. Die Jungen, kann man ja überall lesen, haben mit Corona meistens überhaupt keine Probleme. Ich weiß, klingt zynisch. Aber findest du das etwa nicht auffällig?“

Auffällig in welchem Sinne? Seltsame Zusammentreffen betrachte ich nicht als Einladung, Verschwörungstheorien daraus zu zimmern. Das neue Coronavirus SARS-CoV-2, denke ich, hat niemand absichtlich in die Welt gesetzt. Allein schon deshalb nicht, weil es vor allem denjenigen schadet, denen man in diesem Zusammenhang Interesse an einer Täterschaft andichten könnte. Doch als Beschleuniger notwendigen Wandels, so zynisch dies auch klingen mag, könnte es sich immerhin als hilfreich erweisen.

Eine Stille wie am Heiligabend vor der Bescherung. Wir hocken zuhause zusammen und warten auf den Moment des gegenseitigen Beschenkens?
Was ist das eigentliche Geschenk in dieser Situation?
Schon als Kind liebte ich die Verlangsamung, die bereits in den Morgenstunden des Heiligabend zu beobachten war. Ich stromerte durch die Straßen unseres Viertels und nahm die besondere Stimmung in mich auf. Weil in jenen Jahren meistens Schnee lag, knirschten meine Schritte und eine freudige Erwartung klingelte wie Weihnachtsglocken in meinem Kopf. Heute weiß ich, dass diese Erfahrung die eigentliche schöne Bescherung war.
In Berlin ist plötzlich Frühling. Ein Frühlingsanfang wie ich ihn noch nie erlebt habe. Zu sagen, ich bin davon begeistert ist, falsch. Aber ein frischer Hauch von Aufbruch liegt in der Luft. Und die Nachdenklichkeit und Innerlichkeit, die ich bei anderen Menschen zu bemerken meine, ist sicherlich hilfreich, damit sich auch diese Zeit des Wandels als Geschenk erweist. Könnte sein, dass dies der Anfang einer neuen Achtsamkeit und die Geburtsstunde eines gesünderen Bewusstseins ist.

Ich schreibe dies in der Hoffnung, einen passenden Ton gefunden zu haben. Um die wachsende Not in Krankenhäusern wissend. Voller Mitgefühl für die Heldentaten von Pflegepersonal, MTAs und Ärzten. Ausgezehrt von langen, oft nicht enden wollenden Schichten, müssen sie erkennen, dass die Dienste dieser Tage noch länger werden. Doch das ist eine andere Geschichte.

Ihr – Otmar Jenner

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