Das größte Abenteuer

By Freitag, der 8. März 2019Nachrichten

Leider existieren keine Fotos. Nur die Berichte der Augenzeugen. Kothari, Bordia und Gupta, alle drei Mediziner am Rabindranath Tagore Medical Collage and Hospital in Udaipur, Indien. Die Ärzte wollen bei einem Menschen einen Zustand beobachten, der dem Winterschlaf eines Tieres entspricht.

Wasserschildkröten vermögen auf dem Grund eines zugefrorenen Teiches bis zu sechs Monate lang auszuharren – ohne Luft zu holen und mit angehaltenem Herzschlag. Taut im Frühling der Teich, beginnt auch ihr Herz erneut zu schlagen, und sie tauchen auf, um Luft zu schnappen.

Yogi Satyamurti, ein bekannter Fakir, behauptete zu Ähnlichem in der Lage zu sein. Nicht Monate lang, aber immerhin für Tage. Man möge ihn lebendig begraben. Und acht Tage später wieder ausgraben.
Es ist das Jahr 1973, und auf dem Campus der medizinischen Fakultät wird eine Grube ausgehoben, eineinhalb Meter breit und genau so tief. Ein Kubus, der mit Gesteinsplatten und Mörtel luftdicht verschlossen werden kann.

Als Yogi Satyamurti, ein schmaler, wenig vital anmutender Mann, in diese Grube steigt, ist er mindestens sechzig Jahre alt. Zuvor haben die  Mediziner mehrere Elektroden an seinem Brustkorb angebracht, um seinen Herzschlag per Elektrokardiogramm überwachen zu können. Danach wird die Gruft verschlossen. Einer der anwesenden Zeugen soll auch der damalige britische Botschafter gewesen sein.

Innerhalb des ersten Tages in der Gruft bleibt die Herzrate normal. In der ersten Hälfte des zweiten Tages jedoch nimmt sie Fahrt auf und weist auf eine Tachykardie hin, also eine beschleunigte Herzfrequenz, um dann in der zweiten Tageshälfte zur Bradykardie abzufallen und schließlich einen Stillstand anzuzeigen – eine gerade Linie. Anzeichen eines Herztodes.
Elektrotechnisch gesehen jedoch möglicherweise eine Aktivität unterhalb der Mess-Schwelle, bedingt durch die bautechnisch bedingte Sensibilität (oder vielmehr Unsensibilität) des benutzten Elektrokardiographen.
Die Aufregung am Set ist natürlich groß. Manche Stimmen plädieren dafür, den Yogi umgehend auszugraben. Es gab andere Fälle mit anderen Fakiren, die ähnliche Wunder versprochen hatten, aber bei dem Versuch, sie vorzuführen, gestorben waren.

Die Mediziner entscheiden sich gegen eine vorzeitige Beendigung des Versuchs.

Für weitere fünf Tage zeigt das EKG die selbe gerade Linie an. Eine Nulllinie, auch Asystolie genannt.
Eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Befreiungs-Termin am achten Tag verzeichnet das EKG plötzlich wieder Ausschläge, also Aktivität. Das Herz des Yogis hat erneut messbar zu schlagen begonnen, wiederum in einer normalen Frequenz.
Zitternd und unterkühlt, doch insgesamt körperlich unbeeinträchtigt, wird der Yogi aus der Grube gehoben. Die Messung seiner Körpertemperatur ergibt 34,8 Grad. Der selbe Wert wird in der Grube gemessen. Offenbar vermochte der Yogi seine Temperatur anzupassen. Eine Fähigkeit, über die auch australische Aborigines verfügen.
Während der acht Tage in der Grube hat der Yogi fünf Kilogramm Gewicht verloren. Blutdruck, Pulsrate wie auch der Hämoglobin-Wert sind niedriger als zuvor. Die Zahl der weißen Blutkörperchen hat sich jedoch fast verdoppelt.

Wie genau er all das gemacht hat?

Er habe sich in den Samadhi begeben, erwidert Satyamurti daraufhin. Acht Tage ohne zu atmen überleben – das ist nur eins von vielen medizinischen Rätseln. Allerdings in diversen wissenschaftlichen Veröffentlichungen dokumentiert.
Kraft ihres Willens und besonderer Fähigkeiten können Menschen tatsächlich Erstaunliches leisten. Mit voller Absicht gesund zu werden, also sich von einer Krankheit zu erholen, erscheint da vergleichsweise einfach. Doch auch das wirkt nicht selten mirakulös. Habe ich selbst vielfach erlebt.
Das Zentrum aller Wunder und erstaunlichen Wirkungen ist immer die Psyche eines Menschen, also sein Bewusstsein. Sich damit zu befassen, ist das größte Abenteuer.

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